Satzung gefordert

Wer schützt Celles Bäume?

Sollen in Celle weiterhin nur einzelne, besondere Bäume oder generell alle großen Bäume geschützt werden? Das soll eine neue Satzung regeln.

  • Von Michael Ende
  • 04. Jul 2020 | 14:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Michael Ende
  • 04. Jul 2020 | 14:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Wer soll unsere vom Klimawandel immer stärker bedrohten Bäume schützen? Jeder Baum-Besitzer so wie er es für richtig hält, oder die Stadt von Amts wegen oder Privatleute und Behörden zusammen? Wie soll das geregelt werden – und wer bezahlt den Spaß? Beim Thema Baumschutz gehen die Meinungen auseinander. In der jüngsten Sitzung des städtischen Umweltausschusses zeichnete sich ab, dass die Stadt künftig noch mehr für ihre Bäume unternehmen könnte.

Hannover macht es vor

Bisher sind in Celle lediglich knapp 1000 Bäume geschützt, die auf besonderen Listen der Stadt geführt werden. Generelle Unterschutzstellungen wie in zum Beispiel in Hannover gibt es nicht. „Grundsätzlich sind alle Laubbäume mit einem Stammumfang von 60 Zentimetern und alle Nadelbäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimetern, in einem Meter Höhe gemessen, geschützt", heißt es in der Landeshauptstadt. Nachdem die Grünen im Celler Rat die Überarbeitung der gültigen städtischen Vegetationsschutzsatzung im Sinne einer Verordnung zum Schutz von mehr Bäumen und Baumgruppen gefordert hatten, hatte die SPD beantragt, dass die Stadt Celle eine „Baumschutzsatzung nach Hannoveraner Vorbild“ entwickeln solle.

Stadt warnt vor hohen Kosten

Die Stadtverwaltung hingegen wolle jedoch es bei der seit 1986 gültigen Vegetationsschutzsatzung belassen , erläuterte Jens Hanssen, Fachbereichsleiter Grün- und Friedhofsbetrieb. Die Satzung ermögliche einen flexiblen und nach fachlichen Kriterien ausgerichteten Umgang mit zu schützenden Landschaftsbestandteilen: " Die Erfahrungen sind durchweg positiv ." Die Bürger wendeten sich diesbezüglich an die Verwaltung und erhielten von dort eine kostenfreie Beratung: „Im Rahmen der Haushaltsmittel unterstützt die Stadt darüber hinaus Baumeigentümer bei der Baumpflege.“ Hanssen rechnete vor, dass dieses Procedere die Stadt bisher rund 15.000 Euro pro Jahr koste. Die Einführung einer Baumschutzsatzung la Hannover würde zu zusätzlichen Personalkosten von bis zu 70.000 Euro führen.

"Dann machen wir doch eine!"

Mit der ablehnenden Haltung der Verwaltung gab sich der Ausschuss nicht zufrieden. Es wurde vereinbart, dass die Verwaltung noch in diesem Jahr den Entwurf einer Baumschutzsatzung erarbeiten solle, damit man darüber diskutieren könne. Hanssen: "Ich finde es gar nicht schlimm, dass viele Leute hier in Celle denken, wir hätten schon längst eine flächendeckende Baumschutzsatzung. Darauf Juliane Schrader (Grüne): "Dann machen wir doch eine!"

Pate kann jeder werden

Verworfen wurde der Antrag der Fraktion Die Linke/BSG, in Celle so wie etwa in Hildesheim Baumpatenschaften einzuführen und anders als in Hildesheim die Baumpaten auch noch mit "Aufwandsentschädigungen" auszustatten. Das sei überflüssig, so Hansen: "Patenschaften können in Celle seit langem übernommen werden, und zwar mit einem deutlich geringeren bürokratischen Aufwand als in Hildesheim, wobei ein Aufwandsersatz allerdings ausgeschlossen ist." Auch ohne eine Vereinbarung freue sich die Verwaltung über jeden Bürger, der bereit sei, bei der Pflege mitzuhelfen und etwa Bäume oder auch Grünanlagen vor der Haustür zu wässern. Das habe er nicht gewusst, so Oliver Müller (BSG). Stadtbaurat Ulrich Kinder versprach, dass die Verwaltung künftig auf ihrer Homepage offensiver auf die Möglichkeit von Baumpatenschaften hinweisen wolle.