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Celle Stadt „Ich arbeite gern mit Kunden“
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Azubi zur Verkäuferin in Celle: Bei Dettmer + Müller "wie eine Familie"

08:00 16.12.2020
Celina Gerstenkorn hat ihren Traumberuf bei Dettmer + Müller gefunden, nachdem sie verschiedene andere Dinge ausprobiert hat.
Celina Gerstenkorn hat ihren Traumberuf bei Dettmer + Müller gefunden, nachdem sie verschiedene andere Dinge ausprobiert hat. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

„…and a happy New Year!“, klingt die Weihnachtsmusik dezent aus den Lautsprechern auf allen Verkaufsetagen des Bekleidungshauses an der Westcellertorstraße: Es ist sonst sehr ruhig auf den coronabedingt wenig frequentierten Shopping-Ebenen.

Die Ware muss ordnetlich zsmamengelegt werden. Nur so wirkt sie ansprechend. Quelle: Lothar H. Bluhm

Fingerspitzengefühl ist gefragt

„Vielleicht nächste Woche“, wagt Tim Jüngling eine vorsichtige Prognose zu möglichen weiteren Beschränkungen oder zu einem Lockdown für den Einzelhandel. Der harte Lockdown von Mittwoch bereitet dem Verkauf nun ein rasches Ende. Der Assistent der Geschäftsleitung des Modehauses „Dettmer + Müller“ ist gleichzeitig Ausbilder für insgesamt sechs junge Menschen: „Für unsere Auszubildenden ist immer jeder Tag anders – auch ohne Corona. Jeden Tag müssen wir als Verkäufer den richtigen Weg finden zwischen Wahrnehmung des Kunden und Distanz zu ihm. – Dazu gehört eine Menge Fingerspitzengefühl.“ Das sei ein Großteil der Ausbildung, sagt Jüngling. Außerdem kämen immer wieder persönlicher Ehrgeiz und Wissbegierigkeit hinzu.

Tim Jüngling ist Ausbilder bei Dettmer + Müller in Celle. Quelle: Lothar H. Bluhm

Betriebsinterne Schulungen

Insgesamt sind 100 Mitarbeiter in dem Celler Unternehmen tätig – bei sehr geringer Fluktuation. Es gibt betriebsinterne Schulungen zu Themen wie Textilkunde, Verkauf, Retouren und die Vorbereitung auf die Zwischenprüfung. „Nöö, da war ich sehr zufrieden, das lief ganz gut“, bilanziert Celina Gerstenkorn ihr Abschneiden dabei. Sie hat im kommenden Jahr ihre zweijährige Lehre zur Verkäuferin beendet, sattelt aber noch ein Ausbildungsjahr auf, um dann als Kauffrau für Einzelhandel arbeiten zu können. „Ich interessiere mich sehr für Mode und für den Umgang mit Kunden“, begründet Celina Gerstenkorn (21) ihre Entscheidung für diesen Beruf. Schließlich studiert sie auch in ihrer Freizeit Modezeitschriften, forscht nach Trends und achtet selbst sehr auf ihr Äußeres. „Ich möchte, dass die Kunden zufrieden sind – dafür bin ich da.“

Celina Gerstenkorn hilft einer Kundin in eine Jacke hinein. Quelle: Lothar H. Bluhm

Sonderpädagogik und Hauswirtschaft ausprobiert

Nach dem Besuch der Oberschule II an der Burgstraße in Celle hat sie an der Albrecht-Thaer-Schule in Altenhagen die einjährige Berufsfachschule Hauswirtschaft und danach an der Bahnhofstraße die Berufsfachschule Sozialpädagogik besucht. „Daraus habe ich gelernt, dass beide Bereiche für mich als berufliche Tätigkeit nicht infrage kommen“, stellt sie fest. „Aber natürlich: Das Hauswirtschaftsjahr nützt mir immer – das hat mich sehr vorangebracht. Das sind Fähigkeiten, die ich immer gebrauchen kann.“

Ordnung muss sein, die Bügel hängen nun mal in Reih und Glied. Quelle: Lothar H. Bluhm

Im Aller-Center gearbeitet

Für ein Jahr arbeitete sie dann als Verkäuferin im Aller-Center in Groß Hehlen. „Da hab ich erkannt, dass mir das Verkaufen liegt“, sagt sie rückblickend. Darum startete sie dort auch eine Ausbildung für ihren Beruf. Aber: „Da arbeitete eigentlich jeder mehr für sich, auch deshalb hab ich gesagt, ich such mir einen neuen Betrieb“, fasst Gerstenkorn ihre Entscheidung zusammen, die begonnene Ausbildung bei „Dettmer + Müller“ fortzusetzen: „Hier geht die Arbeit viel mehr Hand in Hand, wir sind ein Team, eine Gemeinschaft. Das ist hier wie eine Familie“, fühlt sich die Cellerin, die jetzt gemeinsam mit ihrem Freund eine Wohnung in der Heese gefunden hat, wohl in dem Modehaus. „Ich war eigentlich immer ein recht stilles Mädchen, ein Mäuschen“, beschreibt sie sich selbst. „Aber hier wurde ich von meinen Kolleginnen aufgebaut und für Verkaufsgespräche geschult“, sagt sie und atmet auf. „Man arbeitet ja schon sehr lange in dem Beruf“, unterstreicht sie, dass sie sich wohlfühlen möchte.

Arbeitsbereich des Verkäufers

Kunden bedienen, Waren annehmen, sichten, auszeichnen und einräumen und somit präsentieren, Kassen einzählen, Kleidungsstücke richtig hängen und zurückräumen, Flächen anhängen und neu präsentieren – das ist der Arbeitsbereich des Verkäufers.

So sitzt die Jacke doch super: Celina Gerstenkorn mag Kundenkontakt. Quelle: Lothar H. Bluhm

Ihre Erwartungen wurden übertroffen

Wenn Celina Gerstenkorn vergleicht, was sie vor ihrem Ausbildungsstart von ihrem Ausbildungsbetrieb erwartet hat und wie sie Situation jetzt ist, sagt sie ganz überwältigt: „So hab ich das nicht erwartet!“ Schon jetzt spüre sie die Dankbarkeit von ihren Kunden, die gelegentlich Feedback geben und sehr zufrieden berichten, wie gut das gekaufte Kleidungsstück angekommen ist. „Das ist das, was ich möchte.“ Gern würde sie auch in 20 Jahren in dem Bekleidungshaus arbeiten – vielleicht auch als Teamleiterin: „Ich möchte gern mit Kunden arbeiten, denn Büro ist nicht meins…“

So verteilen sich die Schülerzahlen

Die so genannten E-Klassen der BBS 1 besuchen insgesamt 260 Auszubildende, davon werden 136 Schüler Kaufleute im Einzelhandel und 124 Verkäufer. Das sind genau 37 Schüler im ersten, 33 im zweiten und 66 im dritten Ausbildungsjahr. Und bei den Verkäufern: 66 Schüler im ersten und 58 im zweiten Ausbildungsjahr.

Nachgefragt bei Christine Klänhardt

Julia Hausemann und Christine Klänhardt bilden als Duo die kommissarische Bildungsgangleitung Einzelhandel an den BBS 1 Celle.

Quelle: cz

Was ist der Unterschied zwischen der Ausbildung zur Verkäuferin und der Ausbildungn ur Kauffrau im Einzelhandel und wie lange dauern die Ausbildungen?
Die Ausbildung zum Verkäufer ist eine zweijährige Ausbildung. Die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel ist eine dreijährige Ausbildung. Die Inhalte des ersten und zweiten Ausbildungsjahres sind bei beiden Berufen identisch. Entschließen sich die Verkäufer nach ihrer erfolgreich bestandenen Abschlussprüfung, das dritte Ausbildungsjahr zu absolvieren, weil sie mehr Verantwortung und noch umfangreichere Aufgaben übernehmen möchten, bewerben sie sich in den Betrieben und es wird ein neuer Ausbildungsvertrag für das dritte Ausbildungsjahr abgeschlossen. Nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung sind die Auszubildenden dann ebenfalls Kaufleute im Einzelhandel. Die Ausbildung als Verkäufer kann also auch die „Vorstufe“ zum Kaufmann im Einzelhandel sein.

Es handelt sich um eine duale Ausbildung, also in Schule und Betrieb. Sie sind für den schulischen Teil verantwortlich. Worum geht es da?
Die Auszubildenden erhalten im ersten Ausbildungsjahr an zwei Tagen und im zweiten und dritten Ausbildungsjahr an einem Tag pro Woche Berufsschulunterricht. Neben den allgemeinbildenden Fächern Englisch, Deutsch und Politik werden die wesentlichen Inhalte der Ausbildung im ersten und zweiten Ausbildungsjahr in zehn Lernfeldern unterrichtet. Die Inhalte sind sehr vielfältig: Die Auszubildenden unterscheiden Einzelhandelsunternehmen im Hinblick auf das Sortiment und die Verkaufsform und lernen Unternehmensleitbilder kennen. Auch die Bedeutung der Einzelhandelsunternehmen in der Gesamtwirtschaft wird behandelt. Ein Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf der kundenorientierten Führung von Verkaufsgesprächen, auch in besonderen Situationen des beruflichen Alltags. Besonders wird darauf eingegangen, was beim Kassieren zu beachten ist. Ein weiterer Fokus wird auf die Ware gelegt: Nicht nur die Präsentation der Waren im Geschäft, sondern auch die Warenbeschaffung, die Annahme einer Warenlieferung und die Lagerung der Ware werden thematisiert. Im dritten Ausbildungsjahr werden die Inhalte vermittelt, um im späteren beruflichen Leben eine Filiale oder ein eigenes Einzelhandelsunternehmen führen zu können. Die Auszubildenden lernen, was bei der Leitung und Weiterentwicklung eines Einzelhandelsunternehmens zu beachten ist. Auch die Personalplanung und die Führung von Mitarbeitern ist entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens.

Und wie gliedert sich die Ausbildung?
Die Verkäufer nehmen nach dem ersten Ausbildungsjahr an der Zwischenprüfung bei der Industrie- und Handelskammer teil. Am Ende der zweijährigen Ausbildung zum Verkäufer wird die Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer abgelegt. Diese besteht aus einem mündlichen Fachgespräch und drei schriftlichen Prüfungen. Die Inhalte der schriftlichen Prüfungen setzen sich aus Themen der Bereiche Verkauf und Werbemaßnahmen, Warenwirtschaft und Kalkulation sowie Wirtschafts- und Sozialkunde zusammen. Die mündliche Prüfung in Form eines fallbezogenen Fachgesprächs behandelt eine durch die Auszubildenden gewählte Wahlqualifikation und maximal zwei Warenbereiche.Wenn ein Ausbildungsvertrag im Ausbildungsberuf Kaufmann im Einzelhandel abgeschlossen wurde, entfällt die Zwischenprüfung. Die Kaufleute im Einzelhandel legen eine gestreckte Prüfung bei der IHK ab. Das bedeutet, dass Teile der Abschlussprüfung vorgezogen und bereits am Ende des zweiten Ausbildungsjahres durchgeführt werden. Der Teil 1 enthält die identischen drei schriftlichen Prüfungsteile wie bei der Abschlussprüfung der Verkäufer. Der Teil 2 besteht aus einer schriftlichen Prüfung über Geschäftsprozesse im Einzelhandel und wird am Ende des dritten Ausbildungsjahres abgelegt.

Und wie sind die Aussichten nach der Ausbildung?

Viele Unternehmen unterstützen ihre Arbeitnehmer nach der Ausbildung als Einzelhandelskaufmann durch Fortbildungen und Qualifizierungsmaßnahmen, so dass die Aufstiegschancen in diesem Bereich besonders zahlreich sind und ein hohes Ansehen genießen. So ist es zum Beispiel möglich, die Leitung einer Filiale zu übernehmen. Aber auch Weiterbildungen zum Handelsfachwirt und zum Handelsbetriebswirt IHK qualifizieren für weitere Führungspositionen.

Von Lothar H. Bluhm

Was macht man in diesem Beruf?

Nur wenige Berufe sind so vielfältig, wie die im Einzelhandel. In erster Linie sorgen Verkäufer und Kaufleute im Einzelhandel für ein schönes Einkaufserlebnis ihrer Kunden. Kundenorientierung ist das Zauberwort! Zu ihren Aufgaben gehören neben dem Kassieren vor allem die Kundenberatung im Verkaufsgespräch. Die Mitarbeiter sind das Aushängeschild eines jeden Einzelhandelsunternehmens und sorgen dafür, dass ihre Kunden zufrieden sind und auch die nächsten Einkäufe in dem Unternehmen tätigen.

Außerdem tragen sie dafür Sorge, dass die Regale immer gut bestückt sind und die Ware im Verkaufsraum optisch ansprechen präsentiert wird. Aber auch die Verwaltung der Warenbestände, also das Nachbestellen von Waren, die Durchführung der Wareneingangskontrolle und das Verbuchen der Wareneingänge, gehören mit zu den Aufgaben des Berufes.

Wo arbeitet man?

Sie arbeiten in vielen unterschiedlichen Unternehmensarten und Branchen, zum Beispiel bei Discountern und Supermärkten, Fachgeschäften, Kauf- und Warenhäusern, in Bekleidungsgeschäften, Möbelhäusern, Drogerien sowie Parfümerien, Bau- und Getränkemärkten als auch an Tankstellen. Gemeinsam ist ihnen, dass sich hier die Bereiche der Betriebswirtschaft mit direkten Kundenkontakt und der Kundenberatung abwechseln, so dass keine Langeweile aufkommt.

Anforderungen:

Neben den schulischen Voraussetzungen sollten die Auszubildenden im zwischenmenschlichen Bereich über ein freundliches Wesen und ein angenehmes Erscheinungsbild verfügen, da bei diesem Berufsbild der direkte Kundenkontakt zu den wichtigsten Tätigkeiten überhaupt gehört. Freundliche Umgangsformen und eine gute Kommunikationsfähigkeit gehören daher zu den Voraussetzungen, die man in diesem Berufszweig mitbringen sollte.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Auch, wenn die Ausbildung keinen bestimmten Schulabschluss voraussetzt, erwarten viele Unternehmen mittlerweile häufig einen guten Hauptschulabschluss. Ein mittlerer Schulabschluss steigert die Einstellungschancen deutlich. Abiturienten können eine Verkürzung der dreijährigen Ausbildung als Einzelhandelskaufmann beantragen.

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