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Celle Stadt „Das ist ein Beruf, den ich kann“
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Azubi zum Bau- und Metallmaler: TAS Celle bildet Fachpraktiker aus

16:50 10.02.2021
Bau- und Metallmaler-Azubi Chris Tim Nagel kann im Umgang mit Pinsel und Farbe seiner Kreativität freien Lauf lassen.
Bau- und Metallmaler-Azubi Chris Tim Nagel kann im Umgang mit Pinsel und Farbe seiner Kreativität freien Lauf lassen. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

Die vielen verschiedenen kleinen und größeren Farbkleckse auf seiner weißen Arbeitshose deuten bereits darauf hin, was der Lachendorfer Chris Tim Nagel (22) beruflich macht: Er wird Bau- und Metallmaler, denn er absolviert eine Berufsausbildung in der außerbetrieblichen Einrichtung TAS, den Technischen Ausbildungsstätten (TAS) auf dem ehemaligen Spinnhüttengelände in Celle, gegenüber vom Wasserturm.

Kojen simulieren Zimmerausschnitte

Hier ist er momentan dabei, sich in einer der zwölf Kojen auf die demnächst bevorstehende Zwischenprüfung vorzubereiten, denn Nagel ist im zweiten Ausbildungsjahr. „Die Kojen simulieren Zimmerausschnitte, in denen unsere Auszubildenden ihre Praxiskenntnisse erlernen, üben und vertiefen können. Spachteln, Tapezieren, Streichen“, sagt Ausbilder Marcel Pramme.

Bau- und Metallmaler-Azubi Chris Tim Nagel kann sich in den Kojen der TAS Celle auf die Zwischenprüfung vorbereiten. Quelle: Lothar H. Bluhm (2)

120 junge Menschen in "Maßnahmen"

Insgesamt nehmen zurzeit 120 junge Frauen und Männer an Aus-, Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen in den Bereichen Metall- und Maschinenbau, Schweißtechnik, Holztechnik, Farbtechnik teil. „Unser Angebot umfasst Maßnahmen und Projekte der Berufsorientierung und -vorbereitung, der Ausbildung sowie der Weiterbildung und Umschulung in diversen Berufen“, fasst Geschäftsführer Andreas Schröder das TAS-Spektrum zusammen und verweist auf bestehende Kooperationen. „Zum Großteil übernimmt die Bundesanstalt für Arbeit die Kosten der Maßnahmen.“

TAS-Ausbilder Marcel Pramme Quelle: Lothar H. Bluhm

"Wir sind eine reine Werkstatt"

Qualifizierte und engagierte Ausbilder, Meister, Ingenieure, Lehrer und Sozialpädagogen gehören zum Team und sichern eine hohe Bildungsqualität. Auf den zwei Meter mal 80 Zentimeter großen Holzplatten werden die Prüfungsaufgaben ausgeführt. „Das bedeutet streichen, lackieren, spachteln und tapezieren“, beschreibt Pramme die jährlich wechselnden Prüfungsanforderungen. Bei einer möglichen Prüfungsaufgabe geht es vielleicht um Farbaufhellung oder Schablonierung. „Das Schöne ist, dass wir eine reine Werkstatt sind. Da können sich unsere Auszubildenden Zeit nehmen, um die Arbeiten zu erlernen und zu perfektionieren.“ Zudem erleben sie hier eine theoriereduzierte Ausbildung. Es sei schon ein großer Vorteil, hier in der TAS zu lernen. In Handwerksbetrieben stehe meist der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund.

2016 Hauptschulabschluss geschafft

Chris Tim Nagel hat die Erich-Kästner-Schule in Garßen besucht und sie 2016 mit dem Hauptschulabschluss verlassen. Er hat sich danach für die einjährige Berufseinstiegsklasse Holztechnik der Axel-Bruns-Schule am Lönsweg entschieden und anschließend die Berufsfachschule Bautechnik besucht. „Da ging es um Zimmerei. Aber auch um Mauern, Betonbau und Tiefbau. Da hab ich wichtige Erfahrungen gemacht, die mir immer wieder zugutekommen werden“, sagt Nagel. Selbst Fliesen habe er an die Wand geklebt.

"Farben find ich gut"

Bevor er seine Ausbildung in der TAS begann, nahm er an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme im Bereich Farbtechnik teil. „Das entsprach dem ersten Lehrjahr und ich dachte, warum sollte ich das nicht mal ausprobieren. Farben find ich gut“, sagt Nagel und kommt zu dem Ergebnis: „Das ist es!“ Hier könne er durchaus seiner Kreativität freien Lauf lassen und Gestaltungswillen entfalten: „Meine Eltern sind stolz auf mich und sehen mich schon als Maler, denn das ist ein Beruf, den ich kann.“

Hoffnung auf festen Arbeitsplatz

In einem dreimonatigen Praktikum in einem Malereibetrieb wird er seine Kenntnisse und Fertigkeiten ausprobieren können. „Vielleicht gelingt es ja dadurch, Chris für die Zukunft einen festen Arbeitsplatz zu vermitteln“, hofft Schröder. In der Vergangenheit sei es durch die engen Kontakte der TAS zu Arbeitgebern und Unternehmen immer wieder gelungen, den Absolventen langfristige Perspektiven aufzuzeigen. „So können sie ein selbstbestimmtes Leben führen, und wir als TAS stehen auch Jahre später immer wieder mit einem Rat bereit.“

In der Freizeit wird gezockt

Momentan liebt Chris Tim Nagel in seiner Freizeit Autorennen. Zu gern sitzt er zu Hause an seiner Spielekonsole und versucht Rennen für Rennen, seine Rundenzeiten zu verbessern.

Alina Feckler ist an der BBS 2 Celle (Axel-Bruns-Schule) Bildungsganggruppenleiterin der Bildungsganggruppe „Farbtechnik und Gestaltung“. Quelle: bbs 2

Nachgefragt bei Alina Feckler

Alina Feckler ist an der BBS 2 Celle (Axel-Bruns-Schule) Bildungsganggruppenleiterin der Bildungsganggruppe „Farbtechnik und Gestaltung“.

Was ist das Besondere an der Ausbildung für die Bau- und Metallmaler?
Bei der dreijährigen außerbetrieblichen Ausbildung als Bau- und Metallmaler handelt es sich um eine theoriegeminderte duale Berufsausbildung, die sich an der Ausbildung zum Maler und Lackierer orientiert. Die Ausbildung zeichnet sich durch ein großes Unterstützungsangebot, wie zum Beispiel kleine Klassen, sonderpädagogisch ausgebildete Lehrkräfte und durch enge Kooperationen seitens der Schule und der Einrichtungen aus. Durch diese unterstützende und begleitende Maßnahme soll der Übergang in einen beruflichen Alltag erleichtert werden.

Für wen kommt die Ausbildung in Frage?
In einem Eingangsverfahren prüft die Agentur für Arbeit die individuellen Voraussetzungen der Bewerber und stellt somit fest, ob diese theoriegeminderte Ausbildung für sie in Frage kommt. Auch die Finanzierung der Maßnahme wird komplett durch die Agentur für Arbeit getragen.

Wie läuft die Ausbildung ab?
Die Auszubildenden werden je nach Ausbildungsjahr an ein bis zwei Schultagen pro Woche in kleinen Lerngruppen unterrichtet. Hierbei orientieren sich die Inhalte an den zwölf Lernfeldern der Maler- und Lackierer. Zusätzlich werden Deutsch, Politik und Sport im allgemeinbildenden Bereich unterrichtet. Für diese Beschulung hat die Abteilung Farbtechnik der Axel-Bruns-Schule ein Konzept erstellt: Durch die kleine Lerngruppe und den der Zielgruppe angepassten Inhalten können die Lehrkräfte individuell auf die heterogenen Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen. Durch eine enge Zusammenarbeit der Schule und der Einrichtungen finden regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche für die Auszubildenden statt, in denen der Weg zur Abschlussprüfung kleinschrittig begleitet wird. Hierbei geht es um die Betrachtung und Analyse der persönlichen Situation jedes Teilnehmers und um das Aufstellen individueller und kleinschrittiger Ziele im Hinblick auf das „große Ziel“ – den erfolgreichen Berufsabschluss.

Und wo werden sie noch ausgebildet?
An den übrigen Tagen findet die Ausbildung in den Einrichtungen der freien Träger (TAS, DAA, VHS) statt. Hier werden die Teilnehmer engmaschig durch extra geschulte Ausbilder, Lehrer und Sozialpädagogen unterrichtet und begleitet. Hierbei werden sowohl theoretische als auch praktische Inhalte auf unterschiedliche Art und Weise wiederholt und vertieft. Durch regelmäßige Praktika in verschiedenen Betrieben sollen die Auszubildenden unterschiedliche Erfahrungen im beruflichen Alltag sammeln. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit, dass die Teilnehmer über die gesamte Ausbildungszeit von drei Jahren in einem Betrieb den praktischen Teil der Ausbildung absolvieren.

Und wie wird geprüft?
Im ersten Ausbildungsjahr schreiben die Auszubildenden eine durch die Schule initiierte theoretische „Zwischenprüfung“. Zum Ende des dritten Ausbildungsjahres erfolgt eine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung, sowie eine praktische Prüfung über drei Tage. Nach erfolgreicher Abschlussprüfung entscheiden sich einige Auszubildende für eine aufbauende Ausbildung als Maler und Lackierer und steigen häufig direkt im zweiten Ausbildungsjahr ein.

Von Lothar H. Bluhm

Fachpraktiker für Maler und Lackierer

Was macht man?
Fachpraktiker für Maler und Lackierer gestalten zum Beispiel Flächen innen und außen an Gebäuden. Sie bereiten die Untergründe vor und streichen oder lackieren die Oberflächen. Diese können aus mineralischen Baustoffen, Holz, Metall oder Kunststoff bestehen. Fachpraktiker für Maler und Lackierer berechnen die Menge an Material, das sie brauchen. Was sie nicht bearbeiten, schützen sie mit Folien oder durch Einhausungen vor Spritzern und Beschädigungen. In der Fahrzeuglackierung reparieren Fachpraktiker für Maler und Lackierer zum Beispiel Lackschäden oder machen Ganzlackierungen und Umlackierungen. Manchmal machen sie auch Pulverbeschichtungen oder beschriften Fahrzeuge zum Beispiel mit Werbeaufschriften.

Wo arbeitet man?
Beschäftigungsbetriebe:
• Betriebe des Maler- und Lackiererhandwerks
• Autolackierereien
• Firmen, die Autos nach Unfällen wieder verkehrstüchtig machen
Arbeitsorte:
• beim Kunden
• Baustellen
• Werkstätten
• Werkhallen

Was ist wichtig?
• Handgeschick (beim Auftragen von Schriften mit dem Pinsel)
• Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (bei Arbeiten auf Leitern und Gerüsten)
• Gutes Sehvermögen (zum Beispiel Farbsicherheit beim Mischen von Farben)
Wichtige Schulfächer:
• Mathematik (beim Berechnen von einfachen Flächen und Kalkulieren des Materialverbrauchs)
• Werken/Technik (beim Lesen von Bauzeichnungen oder Zusammenstellen von Farbkombinationen und Ausführen von Anstrichtechniken)

Welche Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung?
Die Ausbildung zum Fachpraktiker für Maler und Lackierer kann man auch ohne Schulabschluss beginnen.
Die Agentur für Arbeit stellt fest, wer sich dafür eignet.

Was lernt man in der Ausbildung?
Die Auszubildenden lernen beispielsweise:
• wie Beschichtungen durch Streichen, Rollen und Spritzen ausgeführt werden
• wie Oberflächen in unterschiedlichen Techniken gestaltet werden können
• wie man Abdeck- und Abklebearbeiten durchführt
• wie man Farbtöne mischt und nachmischt
• wie man Untergründe beurteilt, wie Unebenheiten ausgeglichen werden
• wie man Dämmmaterialien verarbeitet
• wie man Oberflächen poliert, Korrosionsschutz sowie Grund- und Füllmaterial aufbringt

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