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Celle Stadt Außer Ladenhüter Kolkwiesen hat Celle nichts im Angebot
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Außer Ladenhüter Kolkwiesen hat Celle nichts im Angebot
12:51 13.06.2010
Von Gunther Meinrenken
Der erste Abschnitt der Ostumgehung bis Wittekop ist fertig gestellt – die Entwicklung von Gewerbegebieten in diesem Bereich dürfte noch einige Jahre auf sich warten lassen.
Der erste Abschnitt der Ostumgehung bis Wittekop ist fertig gestellt – die Entwicklung von Gewerbegebieten in diesem Bereich dürfte noch einige Jahre auf sich warten lassen. Quelle: Torsten Volkmer
Celle Stadt

Zwei Gewerbegebiete in unterschiedlichen Lagen wollte man bei der Stadt Celle immer vorhalten, um Unternehmen in die Residenzstadt zu locken. Über Jahrzehnte haben sich die Wirtschaftsförderung und die Stadtplanung an diese Maxime der Ansiedlungspolitik gehalten. Doch urplötzlich steht die Stadt mehr oder weniger ohne attraktive Gewerbeflächen da.

Im August wurde die letzte Fläche im Gewerbegebiet Westercelle verkauft, Altencelle ist ebenfalls bereits belegt und die erst kürzlich ausgewiesenen Areale am Bruchkampweg sind auch so gut wie weg. Das einzige Gewerbegebiet, das sich derzeit im Angebot der Stadt befindet, sind die Wietzenbrucher Kolkwiesen. Mit seinen insgesamt 34 Hektar, von denen innerhalb der letzten zehn Jahre gerade einmal sieben verkauft wurden, sind die Kolkwiesen allerdings ein echter Ladenhüter.

Im Neuen Rathaus spricht man lieber vom „großen Potenzial“, das dieses Gewerbegebiet in sich birgt. Stadtplaner Wolfgang Schucht hätte sich allerdings von der Nähe zum Flughafen Langenhagen und der Autobahn auch mehr versprochen, muss konstatieren, dass „die Lagen an den Bundesstraßen bevorzugt genommen werden“.

So gesehen müsste sich das geplante Gewerbegebiet in Altenhagen, das wegen vermeintlicher Unwägbarkeiten im Zuge der weiteren Ostumgehung erst einmal auf Eis gelegt wurde, auch prächtig entwickeln. Allerdings liegt es im Nordosten der Stadt und der gehört bisher nicht zu den bevorzugten Ansiedlungsflächen der Unternehmen. Sprich, auch wenn Altenhagen „bald kommt“, wie Schucht sagt, und die Stadt damit wieder zwei Gewerbegebiete im Angebot hat, steht zu befürchten, dass die Unternehmen einen Bogen um Celle machen.

Die attraktivsten Flächen befinden sich nach wie vor im Süden der Stadt. Dies gilt umso mehr, als der erste Abschnitt der Ostumgehung nun bis Westercelle fertig gestellt wurde. Die Flächen rings um die „neue B3“ gelten wegen der Lagegunst als geradezu prädestiniert für die Ausweisung als Gewerbegebiet. Doch die Entwicklung gestaltet sich „schwierig“, wie Schucht feststellt. Die Umgehung treibt die Grundstückspreise in die Höhe. „Die Forderungen der Eigentümer sind nicht immer akzeptabel“, so der Stadtplaner, der nichts davon hören will, dass die Stadt hier die Entwicklung verschlafen hat. „Die strategischen Überlegungen gibt es schon länger“, meinte Schucht, der allerdings nicht sagen wollte, wie lange die Stadt schon an der Realisierung eines Gewerbegebiets in Ostumgehungsnähe dran ist.

Weiteres Problem: Derzeit wird geprüft, ob es in dem Gebiet schützenswerte Biotope gibt. Zum Beispiel leben dort Fledermäuse. Untersucht wird, ob es sich um Brut- oder Jagdreviere handelt. Bei Jagdrevieren wäre ein Gewerbegebiet wohl möglich, bei Brutrevieren sieht es schlecht aus.

Der erste Abschnitt der Ostumgehung bis Wittekop ist fertig gestellt – die Entwicklung von Gewerbegebieten in diesem Bereich dürfte noch einige Jahre auf sich warten lassen. Foto: Volkmer

Kommentar

Seit Jahren, ja Jahrzehnten, sind Politik, Wirtschaft und die Stadt nicht müde geworden, die Wichtigkeit der Ostumgehung für die wirtschaftliche Entwicklung Celles zu betonen. Seit ein paar Monaten ist der erste Bauabschnitt fertig gestellt – und die Stadt ist darauf schlecht vorbereitet.

Die einzigen Gewerbegebiete, die derzeit ausgewiesen sind oder in naher Zukunft ausgewiesen werden, liegen fernab der neuen Trasse (Kolkwiesen) oder werden wie im Falle Altenhagen erst in ein paar Jahren an diese angeschlossen sein. Und dort, wo die lang herbeigesehnte Straße ihre volle Wirkung entfalten könnte, im Süden, an der B3, ist man noch weit davon entfernt ein Gewerbegebiet entwickeln zu können.

Sicherlich war es im Planungs- und Realisierungsprozess der Ostumgehung lange Zeit nicht abzusehen, ob die Trasse jemals gebaut würde. Doch auch wenn man im Neuen Rathaus beteuert, dass schon seit längerem strategische Überlegungen für die Entwicklung eines Gewerbegebietes angestellt worden seien, drängt sich der Eindruck auf, dass man das Projekt nicht energisch genug vorangetrieben hat. Denn Fakt ist auch: Die Ostumgehung ist nicht über Nacht vom Himmel gefallen.

Gunther Meinrenken