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Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement in Celle: Azubi-Serie gestartet

11:18 17.11.2020
Laurien Steinhoff (links), Auszubildende für den Beruf Kauffrau für Büromanagement, und ihre Kollegin Natalie Ladwig teilen sich ein Büro. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Altencelle

„Entsorgung ist das große Thema.“ Das steht für Laurien Steinhoff fest, seit sie ein Kurzpraktikum bei Veolia-Entsorgung in Altencelle gemacht hat. Das war im Schuljahr 2018/19 und Steinhoff war Schülerin des Beruflichen Gymnasiums an der BBS 3 in Celle. „Das Praktikum hat mir sehr gut gefallen, ich hab' mich gleich wie zu Hause gefühlt – da hab ich mich beworben“, sagt sie.

Abschlussprüfung Teil I steht bevor

Seit eineinhalb Jahren ist die 19-Jährige nun Auszubildende für den Beruf Kauffrau für Büromanagement und bereitet sich momentan auf die Abschlussprüfung Teil I vor: „Die ist schon recht anspruchsvoll“, schätzt sie die Zwischenprüfung ein.

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Laurien Steinhoff ist seit eineinhalb Jahren in der Ausbildung. Quelle: Lothar H. Bluhm

Kommunikation wird großgeschrieben

In dem flachen weiß-roten Gebäude stehen die Türen zu den einzelnen Büros offen, denn hier wird Kommunikation großgeschrieben. Der Celler Betrieb von Veolia-Entsorgung liegt in direkter Nachbarschaft zu dem Gelände des Zweckverbandes Abfallwirtschaft in Altencelle. Dorthin bringen Lastwagen gewerbliche Abfälle in Containern und Mulden, passieren die Waage vor dem Haus und kippen die Inhalte nach Abfallfraktionen getrennt in die unterschiedlichen Bereiche. Altpapier, Holz, Mischabfall, Produktionsabfälle, Grünabfälle. „Wir unterscheiden nach Abfällen zur Verwertung, das ist zum Beispiel Produktionsmüll und nach Abfällen zur Beseitigung. Die gehen zur Müllverbrennung“, gibt Laurien Steinhoff einen kleinen Überblick. Nach dem Entleeren führt der Weg der Lastwagen wieder über die Waage. „So wissen wir genau, wie viele Abfälle abgeladen wurden“, sagt Steinhoff zu einem Arbeitsbereich, der vom Büromanagement erledigt werden muss.

Laurien Steinhoff zeigt, wie auf dem Live-Monitor die aktuelle Position der Müllfahrzeuge dargestellt wird. Quelle: Lothar H. Bluhm

"Bei uns kein typischer Büroberuf"

„Die Ausbildung ist bei uns kein typischer Büroberuf, sondern sehr vielfältig: Von der Waage bis zur Disposition“, umreißt Ausbildungsleiter Christian Tress das Tätigkeitsfeld bei Veolia-Entsorgung in Altencelle. Die Sachbearbeiter würden alle betrieblichen Bereiche kennenlernen, unterstreicht er und betont gleichzeitig, dass der Entsorgungssektor immer wichtiger wird. „Als innovatives Unternehmen brauchen wir engagierte, kreative Mitarbeiter, die neue Lösungen finden und erfolgreich umsetzen.“

Christian Tress ist Ausbildungsleiter der Celler Firma Veolia.  Quelle: Lothar H. Bluhm

Bei Praktikum Umweltthemen für sich entdeckt

Das sieht auch Laurien Steinhoff so. Die 19-Jährige hatte nach dem Erweiterten Sekundarabschluss I ihren schulischen Schwerpunkt zunächst auf Ökotrophologie gelegt. „Während des Praktikums wurde mir aber deutlich, dass ich mich mehr den Umweltthemen widmen möchte. Und dazu gehört auch das große Feld der Entsorgung“, sagt sie. Müll gebe es immer, habe ihre Mutter ihr zugeredet, die Ausbildung hier zu machen.

Veolia deckt drei Geschäftsbereiche ab

Veolia ist in Sachen Umwelt Partner für Kommunen, Industriebetriebe, Handels- und Privatkunden und deckt mit den drei Geschäftsbereichen Wasser/Abwasser, Abfallmanagement sowie Energie/Stadtwerke einen Großteil von Umweltdienstleistungen ab.

Elf Mitarbeiter in Altencelle beschäftigt

Das merkt Laurien Steinhoff jeden Tag, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz ist: Sie bearbeitet die Postein- und -ausgänge, erstellt Fahraufträge, arbeitet mit Subunternehmen zusammen und prüft Rechnungen. Sie benennt Containergrößen und Abfallfraktionen. In enger Zusammenarbeit mit Kunden und ihren Kollegen im Büro und auf dem Hof werden einzelne Arbeitsschritte und -möglichkeiten besprochen. Insgesamt sind im Celler Betrieb, der zur Veolia-Region Nord gehört, sieben Mitarbeiter im Büro und vier Kollegen auf dem Hof beschäftigt.

Zum Berufsalltag gehört auch die Zusammenarbeit mit Kollegen auf dem Entsorgungshof wie Matthias Hornberger.  Quelle: Lothar H. Bluhm

Dritte Projektarbeit im Betrieb

Auf dem großen Bildschirm an der Wand lassen sich die Standorte sämtlicher Entsorgungsfahrzeuge des Unternehmens im Celler Land verfolgen, Routen festlegen und Fahrzeiten präzise abschätzen. Pro Jahr muss Laurien Steinhoff ihrem Ausbildungsbetrieb eine Projektarbeit vorlegen: „Ich habe bisher über unseren Betrieb und über den Brandschutz im Unternehmen gearbeitet. Jetzt habe ich das Thema Marketing geplant.“ Steinhoff erhält die tarifliche Ausbildungsvergütung. „Hinzu kommen Prämien, die das Unternehmen für besondere Leistungen bereitstellt.“

Laurien Steinhoff möchte übernommen werden

Während des ersten Ausbildungsjahres hatte Laurien Steinhoff zwei Berufsschultage pro Woche, jetzt ist es bis zum Ende der Lehre noch ein Tag. „Ich hoffe, dass ich übernommen werde“, sagt Laurien Steinhoff und wünscht sich eine Perspektive für die Zeit nach ihrer Ausbildung.

105 künftige Büromanager werden in Celle ausgebildet

Im Bildungsgang Büromanagement sind momentan 105 Auszubildende Schüler der Berufsbildenden Schulen 1 in Altenhagen (1. Ausbildungsjahr: 24; 2. Ausbildungsjahr: 34; 3. Ausbildungsjahr: 47).

Nachgefragt bei Birgit Schumacher

Birgit Schumacher ist Bildungsgangsleiterin des Bereiches Büromanagement an den Berufsbildenden Schulen 1 (BBS 1) in Celle.

Birgit Schumacher betreut die Kursteilnehmer der Zusatzqualifikation. Quelle: Oliver Knoblich

Wie lange dauert die Ausbildung zur Kauffrau / zum Kaufmann für Büromanagement?

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann aber auf zweieinhalb mit entsprechenden Noten und Zustimmung vom Ausbildungsbetrieb verkürzt werden. Wer zuvor die einjährige Berufsfachschule an den BBS 1 Celle, bekannt als Höhere Handelsschule, mit dem Schwerpunkt Bürodienstleistungen besucht hat, könnte auch direkt im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

In der Berufsschule erwarten die Auszubildenden vielfältige und abwechslungsreiche Fächer (genannt Lernfelder) wie Beschaffung und Verkauf von Waren, Organisation von Büroprozessen, Durchführung von Personaltätigkeiten und Marketingaktivitäten, Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung sowie die Durchführung von Veranstaltungen und Projekte, um nur einige zu nennen. Ein Schwerpunkt dieser Ausbildung ist die Arbeit am PC mit Word und Excel, die abwechselnd mit dem „normalen“ Theorieunterricht stattfindet. Die Teilnahme an der Zusatzqualifikation „10-Finger-Tastschreiben“ ist verpflichtend

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Der erste Teil der Abschlussprüfung findet nach eineinhalb Jahren statt und prüft die Beherrschung von Word und Excel: Die Kaufleute für Büromanagement haben damit eine gestreckte Abschlussprüfung und keine Zwischenprüfung mehr. Der zweite Teil der Abschlussprüfung, der aus zwei schriftlichen Teilen und einer mündlichen Prüfung besteht, findet nach drei Jahren statt.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Diese Ausbildung eignet sich für Menschen, die kleine Organisationstalente sind, gerne im Büro arbeiten, Spaß im Umgang mit dem PC haben und gerne schriftlich und mündlich kommunizieren. Sie sollten gute Deutschkenntnisse mitbringen, flexibel sein, sorgfältig arbeiten und auch mit Zahlen nicht zu sehr auf Kriegsfuß stehen.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Die Übernahmeaussichten haben sich erheblich verbessert. Nach der Ausbildung haben die Auszubildenden vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten als zum Beispiel Finanz- oder Bilanzbuchhalter, Personalfachkauffrau, Wirtschaftsfachwirt. Ebenso kann an den BBS 1 Celle die einjährige Fachoberschule Wirtschaft besucht werden.

Von Lothar H. Bluhm

Kaufleute für Büromanagement

Was macht man in diesem Beruf?

Kaufleute für Büromanagement führen organisatorische und kaufmännisch-verwaltende Tätigkeiten aus. Sie erledigen zum Beispiel den Schriftverkehr, entwerfen Präsentationen, beschaffen Büromaterial, planen und überwachen Termine, bereiten Sitzungen vor und organisieren Dienstreisen. Auch unterstützen sie die Personaleinsatzplanung und kaufen externe Dienstleistungen ein. Zudem betreuen sie Kunden, wirken an der Auftragsabwicklung mit, schreiben Rechnungen und überwachen Zahlungseingänge. Im öffentlichen Dienst unterstützen sie Bürger zum Beispiel bei der Antragstellung, klären Anliegen und Zuständigkeiten und wirken an der Aufstellung des Haushalts- oder Wirtschaftsplanes mit.

Wo arbeitet man?

In Unternehmen aller (Wirtschafts-)Bereiche.

Arbeitsorte:

In erster Linie in Büro- und Besprechungsräumen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe und Verwaltungen überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss oder Hochschulreife ein.
Anforderungen:
• Organisatorische Fähigkeiten (zum Beispiel Geschäftsreisen planen)
• Flexibilität (zum Beispiel mit häufig wechselnden Aufgaben und Arbeitssituationen umgehen)
• Kaufmännisches Denken (zum Beispiel beim Einholen von Aufträgen)
• Kunden- und Serviceorientierung (zum Beispiel auf die Anliegen von Kunden eingehen)
• Sorgfalt sowie mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen (zum Beispiel am Kundenempfang arbeiten, Geschäftsbriefe verfassen)

Wichtige Schulfächer:

• Deutsch (zum Beispiel für den Schriftverkehr mit Kunden und Geschäftspartnern)
• Mathematik (zum Beispiel für das Erstellen von Kundenrechnungen)
• Wirtschaft (zum Beispiel für buchhalterische Jahresabschlüsse)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungs­vergütungen pro Monat:
• 1. Ausbildungsjahr: 515 bis 952 Euro (Handwerk*), 976 bis 1047 Euro (Industrie*), 1018 Euro (öffentlicher Dienst)
• 2. Ausbildungsjahr: 565 bis 995 Euro (Handwerk*), 1029 bis 1102 Euro (Industrie*), 1068 Euro (öffentlicher Dienst)
• 3. Ausbildungsjahr: 600 bis 1.067 Euro (Handwerk*), 1102 bis 1199 Euro (Industrie*), 1114 Euro (öffentlicher Dienst)
*je nach Bundesland unterschiedlich

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