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Celle Stadt Die ganze Bandbreite des Erdöls
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Ausbildung zur Industriekauffrau in Celle

13:40 17.11.2020
Von Benjamin Behrens
Telefonate mit Kunden und Lieferanten sind ein wichtiger Teil der Ausbildung für Liza Hecht und finden meist auf Englisch statt.
Telefonate mit Kunden und Lieferanten sind ein wichtiger Teil der Ausbildung für Liza Hecht und finden meist auf Englisch statt. Quelle: OneSubsea/Andreas Kamp
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Dass junge Absolventen mit dem Zeugnis in der Tasche nicht sofort wissen, wie es weitergeht, gehört dazu. Eine Ausbildung anfangen? Studieren, vielleicht im Ausland? Fragen über Fragen – auf die Liza Hecht eine klare Antwort hatte. Die 19-Jährige aus Eicklingen wusste schon vor dem Abschluss, wo es hingehen soll. „Für mich war klar, dass ich nach der Schule eine Ausbildung machen möchte und da mir die Bereiche Mathematik und Wirtschaft gut lagen, dachte ich Industriekauffrau ist das Richtige“, sagt Hecht.

Produziert in Celle – weltweit im Einsatz

Ihren Ausbildungsplatz fand sie beim Erdöl-Zulieferer OneSubsea. „Wir bauen Systeme und Produkte für die Unterwasser-Erdölförderung und beliefern unsere Schwesterwerke, die in den Ländern vor Ort sind“, erklärt Hecht. Die wiederum beliefern die großen Energiekonzerne. „Und die fördern dann das Erdöl mit unseren Produkten“, sagt Hecht mit Stolz.

Viele Abteilungen in der Ausbildung durchlaufen

„Wir gehen in der Ausbildung durch 15 verschiedene Abteilungen, das ist sehr viel. Wir kriegen eine riesige Bandbreite mit. Wir werden immer komplett ins Team eingegliedert und übernehmen komplexe Aufgaben“, so Hecht. Einkauf, Versand, Projektmanagement, Wareneingang im Lager, Produktplanung oder Qualitätsmanagement sind einige der Stationen. „Auch im Shop, also der Produktion, sind wir einen Monat. Wir sollen nicht nur die Arbeit einer Industriekauffrau kennenlernen, sondern das gesamte Unternehmen.“

Team-Arbeit, Macher-Mentalität und Englisch

Ansprechpartner für die Auzubis ist Ausbildungsleiterin Liv Borowski. „Es ist nicht so, dass man frontal beschallt wird, sondern darf sich testen“, sagt Borowski über die Ausbildung. Mitbringen sollte der Azubi Interesse an Englisch und wirtschaftlichen Zusammenhängen. Spaß an der Arbeit im Team ist ebenso ein Muss. „Wenn man Probleme sieht, sollte man sie angehen, es braucht etwas Macher-Mentalität. Interesse an Neuem und gerne zu lernen ist ebenfalls wichtig“, betont die Ausbildungsleiterin.

Auszubildenden viel zugetraut

Anpacken war auch die Devise für Liza Hecht, bei ihren bisherigen Stationen. Angebote erstellen, Gespräche mit Lieferanten oder selbst Löten in der Werkstatt standen auf dem Plan. „Natürlich hat immer jemand ein Auge mit darauf, aber es ist eine große Vertrauensbasis da“, lobt die Auszubildende. Größtes Projekt bislang: Gemeinsam mit einem Trainee betreute Hecht den Neustart eines Onlineportals für Lieferanten. Daneben gibt es Azubi-Projekte, wie etwa einen Escape-Room für eine Firmenfeier oder ein Testparcours für Betriebssicherheit.

Beruf hat große Bandbreite

„Industriekauffrau ist ein Ausbildungsberuf, der super viel Bandbreite hat“, freut sich Hecht. Dass es in die Erdölbranche gehen sollte, stand früh fest. Nicht einfach nur, weil Celle mit seinen vielen Firmensitzen aus dem Sektor gerne als „Houston Europas“ bezeichnet wird und der Sektor im doppelten Sinn nahe liegt. „Mein Papa arbeitet in der Branche. Da bin ich früher schon mitgegangen und fand die Branche interessant. Mir war wichtig, dass es international ist, weil ich auch gerne Englisch spreche.“

OneSubsea sagte als Erstes zu, auch im Vorstellungsgespräch passte es. „Es war sehr persönlich direkt, wir haben uns alle geduzt und es war einfach eine sehr schöne Atmosphäre.“ Auch der Sprachwunsch wird erfüllt, Englisch zieht sich durch alle Bereiche. Versendet wird aus dem „Shipping“, produziert im „Shop“. Die Kommunikation mit den Kollegen aus dem Hauptquartier im tatsächlichen Houston in Texas erfolgt ohnehin auf Englisch, die mit rund 95 Prozent der Kunden auch. Apropos: „Mein Bruder arbeitet bei einem Kunden von uns, wir hatten auch schon miteinander zu tun, das war ganz witzig.“

Zweit-Ausbildung zur Europakauffrau

Gut angekommen also – aber gab es Alternativen? „Mit der Auswahl des Ausbildungsberufes war mir schon klar, wenn ich bei OneSubsea oder anderen Firmen der Erdölbranche nicht genommen werde, dann mache ich was ganz anderes“, sagt die zielstrebige junge Frau. Neben der Ausbildung im Betrieb, macht sie noch eine zweite, schulische Ausbildung an den berufsbildenden Schulen 1 Celle zur Europakauffrau. Die Übernahmechancen stehen gut.

103 junge Menschen erlernen derzeit auch in der BBS 1 Celle den Beruf der Industriekauffrau beziehungsweise des Industriekaufmanns: In der Grundstufe (1. Ausbildungsjahr) sind es 35, in der Fachstufe 1 (2. Ausbildungsjahr) 37 und in der Fachstufe 2 (3. Ausbildungsjahr) ebenfalls 37 Schüler.

Nachgefragt bei Ingrid Strube

Ingrid Strube ist Bildungsgangsleiterin des Bereichs Industriekaufleute an den BBS 1 in Celle.

Ingrid Strube ist Bildungsgangsleiterin des Bereichs Industriekaufleute an den BBS 1 in Celle. Quelle: Oliver Knoblich

Wie lange dauert die Ausbildung zur Industriekauffrau?

Die Ausbildungsdauer ist auf drei Jahre ausgelegt, es sind aber auch verkürzte Zeiträume (zwei und zweieinhalb Jahre) möglich und üblich. An den bbs1celle gibt es üblicherweise zwei- und dreijährige Klassen.

Es handelt sich um eine duale Ausbildung, also in Schule und Betrieb. Sie sind für den schulischen Teil verantwortlich. Worum geht es da?

Der Unterricht findet in den allgemeinbildenden Fächern Deutsch/Kommunikation, Englisch/Kommunikation und Politik statt, die berufsbezogenen Inhalte und Kompetenzen werden in zwölf Lernfeldern unterrichtet. Diese Lernfelder orientieren sich an typischen Geschäftsprozessen eines Industrieunternehmens. Im Beschaffungsprozess werden optimale Bestellmengen errechnet, Angebote verglichen und Kaufverträge abgeschlossen. Im Leistungserstellungsprozess wird die Herstellung der Waren geplant, gesteuert und überwacht. Im Absatzprozess werden Marketingstrategien erarbeitet, um die Kunden zu binden und die Produkte zu verkaufen. Im Bereich Rechnungswesen wird kalkuliert, gebucht und kontrolliert und im Personalwesen geht es um den Personalbedarf, die Personalbeschaffung beziehungsweise -auswahl sowie den Personaleinsatz. Die Orientierung an Geschäftsprozessen wird ergänzt durch die Berücksichtigung der vielfältigen Systemverflechtungen zwischen Märkten, Gesamtwirtschaft und Gesellschaft. Die Fähigkeiten zur Kommunikation, Kooperation, Moderation, Präsentation, Problemlösung und Entscheidung werden geschult.

Und wie gliedert sich die Ausbildung?

Nach ungefähr der Hälfte der Ausbildung findet die Zwischenprüfung statt. Sie ist verpflichtend, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Am Ende der Ausbildung folgt die Abschlussprüfung, die sich in eine schriftliche und eine mündliche Prüfung unterteilt. Die schriftliche Prüfung setzt sich aus den Bereichen Geschäftsprozesse, kaufmännische Steuerung und Kontrolle sowie Wirtschafts- und Sozialkunde zusammen. Die mündliche Prüfung, das so genannte „Einsatzgebiet“, ist der praktische Teil der Abschlussprüfung. Hier soll man mit einem Report, einer Präsentation und einem Fachgespräch beweisen, dass man eine Fachaufgabe aus dem Fachbereich „Geschäftsprozesse“ selbstständig bearbeiten und lösen kann.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Gut geeignet ist die Ausbildung vor allem für diejenigen, die einen guten Realschulabschluss oder Abitur haben, eine vielseitige Ausbildung suchen, gut organisieren können und einmal eine verantwortungsvolle Position übernehmen möchten. Die Ausbildung hilft dabei, dass die Auszubildenden in ihrer späteren Berufswahl kaum eingeschränkt werden.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Die Zukunftsperspektive für Industriekaufleute ist ausgesprochen gut. Sie sind kaufmännische Allrounder, die praktisch in jedem Unternehmen, das in der Industrie beziehungsweise im produzierenden Gewerbe tätig ist, Arbeit finden. Auch die Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die Ausbildung bietet die beste Grundlage für einen anschließenden Besuch der Fachoberschule oder des Beruflichen Gymnasiums Wirtschaft oder auch eines Studiums.

Was macht man in diesem Beruf?

Industriekaufleute steuern betriebswirtschaftliche Abläufe in Unternehmen. In der Materialwirtschaft vergleichen sie Angebote, verhandeln mit Lieferanten und betreuen die Warenannahme und ‑lagerung. In der Produktionswirtschaft planen, steuern und überwachen sie die Herstellung von Waren oder Dienstleistungen und erstellen Auftragsbegleitpapiere. Kalkulationen und Preislisten zu erarbeiten und mit den Kunden Verkaufsverhandlungen zu führen, gehört im Verkauf zu ihrem Zuständigkeitsbereich. Außerdem erarbeiten sie Marketingstrategien. Sind sie in den Bereichen Rechnungswesen beziehungsweise Finanzwirtschaft tätig, bearbeiten, buchen und kontrollieren Industriekaufleute die im Geschäftsverkehr anfallenden Vorgänge. Im Personalwesen ermitteln sie den Bedarf an Mitarbeitern, wirken bei der Personalbeschaffung beziehungsweise ‑auswahl mit und planen den Personaleinsatz.

Wo arbeitet man?

In Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche.

Arbeitsorte:

In erster Linie in Büroräumen beziehungsweise Großraumbüros, darüber hinaus gegebenenfalls auch in Besprechungsräumen, im Lager und in Produktionshallen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein.

Worauf kommt es an?

• Kaufmännisches Denken, Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen (zum Beispiel kosteneffiziente Verhandlungen mit Lieferanten von Produktionsmitteln führen)

• Kommunikationsfähigkeit, Kontaktbereitschaft und Kunden- und Serviceorientierung (zum Beispiel Kunden beraten und die Kundenwünsche berücksichtigen)

• Sorgfalt und Konzentrationsfähigkeit (zum Beispiel beim Erstellen von Stücklisten und Arbeitsplänen)

• Organisatorische Fähigkeiten (zum Beispiel die Herstellung von Waren und Dienstleistungen planen und steuern)

Welche Schulfächer sind wichtig?

• Mathematik (zum Beispiel zum Ermitteln der Kosten für Fertigungsmaterial oder Gehälter)

• Wirtschaft (zum Beispiel zum Verstehen von Geschäftsvorgängen)

• Englisch und weitere Fremdsprachen (zum Beispiel bei internationalen Kunden- oder Lieferantenkontakten)

• Deutsch (zum Beispiel zum Bearbeiten von Personalunterlagen oder im schriftlichen und mündlichen Kundenkontakt)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 650 bis 810 Euro (Handwerk*), 976 bis 1047 Euro (Industrie*)

• 2. Ausbildungsjahr: 710 bis 860 Euro (Handwerk*), 1029 bis 1102 Euro (Industrie*)

• 3. Ausbildungsjahr: 760 bis 960 Euro (Handwerk*), 1102 bis 1199 Euro (Industrie*)

*je nach Bundesland unterschiedlich

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