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Celle Stadt Expertin für Brot und Brötchen bei Pippel
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Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin bei Pippel in Celle

14:50 07.01.2021
Von Svenja Gajek
Sie ist mit dem Sortiment der Bäckerei Pippel gut vertraut: Die Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin Nathalie Bierschwale berät gerne Kunden. Über die Inhaltsstoffe der Backwaren weiß sie genau Bescheid. Ihre Empfehlung: das gute Landbrot. Quelle: Oliver Knoblich
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Um eines gleich vorweg zu nehmen: Nein, für das Backen ist sie nicht verantwortlich. Doch Nathalie Bierschwale kennt sich trotzdem bestens aus mit Brot, Brötchen und anderen gebackenen Köstlichkeiten. Die 25-Jährige absolviert gerade ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin bei der Celler Bäckerei Pippel. Es ist ein besonderer Ausbildungsort für eine angehende Verkäuferin, denn dort wird der Teig noch nach bewährter Rezeptur selbst hergestellt.

Auf Umwegen zur Ausbildung

Die junge Frau macht eine Umschulung. Deshalb konnte sie das erste Lehrjahr überspringen und gleich im zweiten einsteigen. Jetzt ist sie bereits im dritten Lehrjahr. „Als ich sechzehn war, habe ich eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe angefangen“, erzählt sie. „Ich habe dann auch in der Gastronomie gearbeitet. Aber das war nichts für mich. Die Arbeitszeiten waren extrem: Man fängt erst an, wenn andere Leute schon Feierabend haben. Das hat mit meinem Privatleben nicht zusammengepasst.“ Bierschwale hat auch schon einige Jahre als Qualitätskontrolleurin bei einem Autozulieferer in Hodenhagen gearbeitet. Die Firma musste jedoch Insolvenz anmelden. „Ich dachte mir, jetzt ist es wohl doch an der Zeit, dass ich nochmal eine richtige Ausbildung mache“, so Bierschwale. „Damit kommt man besser im Leben durch und muss nicht immer nur jobben.“ Eine Freundin brachte sie auf die Idee, sich bei Pippel zu bewerben. Danach ging alles sehr schnell: Bierschwale durfte zur Probe arbeiten und wurde gleich eingestellt. Finanzielle Unterstützung erhält sie vom Arbeitsamt, das die Umschulung zum Teil bezahlt.

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Das Bedienen der Kaffeemaschine für die Kunden gehört auch zu Nathalie Bierschwales Aufgaben. Quelle: Oliver Knoblich

Kunden beraten und Waren präsentieren

Zu den Aufgaben der jungen Frau gehören vor allem die ansprechende Präsentation der Backwaren, die Beratung der Kunden und der Verkauf. Auch wenn das Backen nicht zu ihren Aufgaben gehört, so muss Bierschwale doch über die Inhaltsstoffe der Produkte Bescheid wissen. Tatsächlich macht ihr der Kundenkontakt am meisten Spaß: „Mittlerweile fühle ich mich bei der Beratung relativ sicher. Manchmal haben die Kunden ganz spezielle Wünsche. Dann muss ich mich erstmal bei meinem Chef erkundigen, ob diese Sonderbestellungen zeitlich auch erfüllbar sind.“ Zudem muss Bierschwale den Laden sauber und ordentlich halten, abwaschen sowie die Kaffeemaschine für die Kunden auffüllen und bedienen.

Daniela Pippel, Ausbildungsbetreuerin in der Bäckerei und Tochter von Wilhelm Pippel. Quelle: Oliver Knoblich

"Man braucht eine freundliche, offene Art und ein gepflegtes Erscheinungsbild"

„Wenn man Bäckereifachverkäuferin werden will, sollte man Spaß am Umgang mit Menschen haben“, weiß Daniela Pippel, Ausbildungsbetreuerin in der Bäckerei und Tochter von Chef Wilhelm Pippel. „Man braucht eine freundliche, offene Art und ein gepflegtes Erscheinungsbild. Außerdem sollte man gut im Team arbeiten können. Bäckereifachverkäufer benötigen eine gute Kondition, denn sie verbringen ihren Arbeitstag überwiegend im Stehen. Auch müssen sie bereit sein, ab und zu ihr Wochenende in der Bäckerei zu verbringen.

Ab und zu Wochenenddienst

Bierschwale nimmt einen Tag in der Woche – momentan donnerstags – am Unterricht der Berufsschule teil. Montags bis mittwochs, freitags und entweder samstags oder sonntags arbeitet sie in der Bäckerei: „Wir wechseln uns ab am Wochenende. Manchmal habe ich sogar an beiden Tagen frei.“

Ausbildung in einer traditionellen Handwerksbäckerei

Laut Daniela Pippel ist es durchaus von Vorteil für die Auszubildenden, wenn sie den Verkauf von Backwaren in einer traditionellen Handwerksbäckerei erlernen: „Man kriegt hier viel mehr mit als in der Filiale einer Bäckereikette.“ Bei Pippel wird auf Fertigteigmischungen komplett verzichtet.

Verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten

Die junge Frau wird ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin voraussichtlich im Juli dieses Jahres beenden. Danach stehen ihr verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten offen: Sie könnte sich mit ein paar Jahren Berufserfahrung zur Verkaufsleiterin oder Fachlehrerin weiterbilden lassen. Bierschwale möchte sich gern weiterhin mit Brot und Brötchen beschäftigen: „Das ganze erlernte Fachwissen will ich auch in Zukunft weiter anwenden können“, sagt sie. Bierschwales größter Wunsch ist es aber, dass sie weiterhin mit Kunden zu tun hat.

Nachgefragt bei Susanne Völkers

Quelle: cz

Susanne Völkers ist Bildungsganggruppenleiterin für den Bereich des Bäckers sowie der „Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk –Schwerpunkt Bäckerei/Konditorei“ an den BBS III Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Bäckerei-/ Konditoreifachverkäuferin?

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Dauer der Ausbildung zu verkürzen: mit entsprechender beruflicher Vorbildung kann unter Umständen direkt im zweiten Ausbildungsjahr gestartet werden, mit erfolgreichen Leistungen in der Berufsschule und Zwischenprüfung ist eine Verkürzung um ein halbes Jahr möglich, mit Abitur verkürzt sie sich sogar um ein Jahr. Aus familiären Gründen kann zum Beispiel auch eine Teilzeitausbildung vereinbart werden.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

In der Berufsschule erwartet die Auszubildenden im ersten Lehrjahr der dualen Ausbildung an zwei Berufsschultagen die Vermittlung von vielfältigem Fachwissen, das in Lernfeldern unterrichtet und durch praktische Erfahrungen im abwechslungsreichen Demonstrationsunterricht ergänzt wird. Natürlich dürfen auch Deutsch und Englisch sowie Fächer zu politischem und gesellschaftlichem Wissen nicht fehlen. Es werden grundsätzlich Themenbereiche wie Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz, Ernährungslehre, betriebswirtschaftliche Grundlagen, aber auch Verkaufspsychologie uund vieles andere mehr behandelt. Die Auszubildenden lernen dabei auf der einen Seite viel über Verkaufspsychologie, stellen aber auf der anderen Seite auch Teige, Snacks und zum Beispiel kleine Gerichte her, um Kunden zu den Produkten besser beraten zu können.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Der erste große Schritt in der Ausbildung ist die Zwischenprüfung, die nach der Hälfte der Ausbildung, also in der Regel nach anderthalb Jahren stattfindet. Sie soll zeigen, auf welchem Stand der Ausbildung sich die Auszubildenden befinden. Die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung besteht aus zwei Teilen: In einer schriftlichen und mündlichen Prüfung wird Fachwissen abgefragt, das in der Berufsschule und im Betrieb vermittelt worden ist. Die praktische Abschlussprüfung zeigt den Umgang mit Kunden und alle Arbeitsschritte hinter der Verkaufstheke. Das erste Lehrjahr absolvieren derzeit zwölf Schülerinnen an der Albrecht-Thaer-Schule Celle, im zweiten Lehrjahr sind 10 Schülerinnen bei uns und im dritten Lehrjahr sind es sogar 15 Schülerinnen.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Junge Leute, aber auch solche mit Lebenserfahrung, die freundlich, aufgeschlossen und kommunikativ sowie kreativ sind, sind in dieser Ausbildung genau richtig. Der Spaß am Kundenkontakt und an Teamarbeit sowie Flexibilität sind eine wichtige Grundlage.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Viele Betriebe suchen nicht nur geeignete Auszubildende, sondern auch gelernte Fachverkaufskräfte, sodass die Aussichten im Lebensmittelhandwerk ausgesprochen gute und mit Teilzeitarbeit zeitlich flexible Möglichkeiten bieten. Im Anschluss an die erfolgreiche Ausbildung gibt es vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten, die Arbeitsbereiche wie Verkaufs- beziehungsweise Filialleitung oder die Arbeit als Ausbilder, Fachlehrer, Ernährungsberater, Fachlehrer, Qualitätsbeauftragter, Verkaufstrainer oder Betriebswirt erschließen.

Steckbrief Bäckereifachverkäufer

Was macht man in diesem Beruf?

Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Bäckerei übernehmen den Verkauf von Brot und Backwaren, zum Teil auch kleiner Gerichte. Sie beraten und informieren ihre Kunden auch über Inhaltsstoffe und Bestandteile der Bäckereierzeugnisse. Zudem präsentieren und verpacken sie Backwaren, dekorieren Auslagen und sorgen für Ordnung und Sauberkeit im Verkaufsraum.

Darüber hinaus schneiden sie Brote und Kuchen auf, belegen und garnieren Brötchen und bereiten

Snacks oder kleine Mahlzeiten zu. Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Konditorei übernehmen den Verkauf von Konditoreierzeugnissen, Süßspeisen und Heißgetränken. Ist der Konditorei ein Café angeschlossen, bedienen sie auch die Gäste. Darüber hinaus stellen sie Konfektmischungen, Gebäck und Schokoladenspezialitäten zusammen, schneiden Kuchen und Torten auf und verzieren diese. Sie bereiten zudem kleine Gerichte wie Teigoder Eierspeisen zu.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Bäckerei/Konditorei finden Beschäftigung

• in Bäckereien/Konditoreien

• in Einzelhandelsgeschäften

Arbeitsorte:

Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Bäckerei arbeiten in erster Linie

• in Verkaufsräumen

• in Lagerräumen

Darüber hinaus arbeiten sie ggf. auch

• in der Backstube

• im Büro

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hauptschulabschluss ein.

Worauf kommt es an?

Anforderungen:

• Kundenorientierung (zum Beispiel beim Eingehen auf individuelle Fragen der Kunden)

• Geschicklichkeit (zum Beispiel beim Belegen von Brötchen, beim Einräumen von Backwaren in Regale oder beim Einstellen der Konditoreiwaren in Vitrinen)

• Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel beim Durchführen der Kassenabrechnungen, beim hygienischen Arbeiten)

Wichtige Schulfächer:

• Mathematik (zum Beispiel beim Berechnen von Preisen und Rabatten sowie beim Kassieren)

• Deutsch (zum Beispiel für das Beschriften von Angebotstafeln und die Kundenberatung)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 755 bis 900 Euro (Handel), 645 Euro (Handwerk)

• 2. Ausbildungsjahr: 805 bis 1005 Euro (Handel), 720 Euro (Handwerk)

• 3. Ausbildungsjahr: 935 bis 1150 Euro (Handel), 850 Euro (Handwerk)

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