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Celle Stadt „Ausbildungsplatzstelle eine gute Entscheidung“
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Ausbildung zum Zimmerer war für den Wietzer die richtige Wahl

14:10 05.05.2021
Zimmerer-Azubi Tayler Hofmann bei der Arbeit.
Zimmerer-Azubi Tayler Hofmann bei der Arbeit. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

Das grüne Baustellenradio ist schon von weither zu hören: Hier wird gearbeitet, hier ist gute Stimmung auf der Baustelle. Trotz frischer zehn Grad und Regen verkleiden Zimmerer Nils Reinecke und Auszubildender Tayler Hofmann den langen Gesimskasten des Neubaus. „Hier hab ich auch schon den Dachstuhl mit gebaut und die Balkenlage mit dem Mauerwerk verankert“, sagt Tayler Hofmann, der mit einem Druckluftnagler gezielt mit Nägeln die einzelnen Nut- und Feder-Bretter an den Latten über Kopf befestigt. Immerhin ist es direkt unter dem Dachüberstand trocken, man bemerkt den Regen nicht direkt.

Immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen

„Eine Woche werden wir noch brauchen, die vom Bauherrn mit Schutzfarbe angemalten Holzbretter anzubringen“, skizziert Reinecke den Einsatz hier in Winsen. Danach folgt eine andere Baustelle. „Genau das ist es, was den Beruf so interessant macht“, findet Tayler Hofmann, der zurzeit im zweiten Lehrjahr seine Ausbildung zum Zimmerer macht. „Es gibt immer wieder neue Baustellen und immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen.“ Die Unterschiedlichkeit der Projekte eines Zimmerers hat er kürzlich auch während einer Fortbildung in Lüneburg kennengelernt: „Da ging es um den Holzrahmenbau und um Fertigwände.“

Der Zimmerer-Azubi Tayler Hofmann befestigt die einzelnen Nut- und Feder-Bretter an den Latten. Das macht man heutzutage mit Hilfe eines Druckluftnaglers. Quelle: Lothar H. Bluhm

Wie es zu dem Namen Tayler kam

Er vermutet, dass seine Eltern ihr Kind damals nicht einfach Max oder Jonas nennen wollten, sondern ihm mit Tayler schon ein Alleinstellungsmerkmal mitgaben. „Ich habe Verwandte in Kanada – vielleicht ist das die Beziehung zu dem Namen…“

Bewegte Schullaufbahn

Jedenfalls wurde Tayler in die Grundschule in Wietze eingeschult. Bis zur achten Klasse besuchte er anschließend die Kooperative Gesamtschule in Schwarmstedt und nahm täglich einen zeitaufwändigen Schulweg in Kauf. In der Hauptschule Winsen beendete er seine Zeit in der allgemeinbildenden Schule. Ein Berufsvorbereitungsjahr im Bereich Holz/Metall absolvierte er in der Axel-Bruns-Schule am Celler Lönsweg.

Bewegte Ausbildungslaufbahn

Eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker wurde vorzeitig beendet, weil der Betrieb gar keine Ausbildungsberechtigung hatte. „Zur Überbrückung erhielt ich an der Berufsschule einen Platz in der Kfz-Klasse, bevor ich dann in der einjährigen Berufseinstiegsklasse Bau meinen Abschluss machte“, beschreibt Hofmann seinen schulischen Werdegang. Es folgte die einjährige schulische Ausbildung in der Berufsfachschule. „Damit konnte ich dann gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen“, freut sich Hofmann noch immer, denn plötzlich hatte er zwei Ausbildungsverträge vor sich liegen: Einzelhandelskaufmann in dem Supermarkt, in dem er immer wieder mal als Aushilfe gearbeitet hatte und Zimmerer bei „Holzwerk“ in Celle. Er entschied sich für Jörg Reinstorf und das „Holzwerk“: Der informierte sich über den potenziellen Auszubildenden in der Berufsschule, zu welcher er einen sehr guten und engen Kontakt pflegt – bedingt durch die mittlerweile mehr als 25 erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildungen. Nach einem überzeugenden Praktikum und der Stellungnahme der BBS entschloss sich Reinstorf, Tayler die Chance der Ausbildung zu geben. Er bot ihm im ersten Schritt die einjährige Ausbildung zum Ausbaufacharbeiter an, die bei erfolgreichem Abschluss um ein weiteres Jahr zum Zimmerer verlängert wird. Insgesamt sind derzeit fast 50 Mitarbeiter in dem Celler Betrieb beschäftigt, davon auch vier Zimmererauszubildende und je ein Dachdecker- und Maurer-Azubi sowie eine Auszubildende als Kauffrau für Büromanagement.

Jörg Reinstorf ist der Chef des "Holzwerks" in Celle. Er war selbst auch auf Wanderschaft. Quelle: David Borghoff

Führerschein musste warten

„Doch das war eine gute Entscheidung“, findet Hofmann. Er ist glücklich mit seinem Ausbildungsbetrieb. Und seine Mutter Svenja ist auch zufrieden. Mach eine Lehre, habe sie ihm empfohlen. Wie es weitergehen wird? „Naja, durch Corona konnte ich meine praktische Führerscheinprüfung nicht machen, das ist schade. Aber das kommt noch“, ist Tayler Hofmann (20) zuversichtlich. Langfristig denkt er daran, nach Möglichkeit erstmal bei „Holzwerk“ zu bleiben.

Tippelei ist wertvolle Zeit

Und dann geht ihm der Gedanke nicht aus dem Sinn, auf Walz zu gehen. Er sieht sich schon in schwarzer Kluft mit schwarzem Hut, schwarzer Weste mit weißen Knöpfen, einer weißen Staude, einer schwarzen Cordhose sowie einer schwarzen Jacke auf Wanderschaft: „Das bedeutet drei Jahre und einen Tag außerhalb des eigenen Wohnortes Erfahrungen zu sammeln. In unserem Beruf hat das noch heute einen großen Stellenwert“, findet Hofmann. Der historischen Wanderschaft könne eine Bildungs-, Integrations- und Allokationsfunktion bezogen auf berufliche Bildung und berufliche Lebensläufe theoretisch zugewiesen werden, hat die Berlinerin Claudia Kemlein in ihrer Masterarbeit zur „Funktion der Walz in der beruflichen Bildung“ festgehalten. Sie meint aber, dass sich bei Betrachtung der Praxis jedoch zeigt, dass dieser Anspruch nicht aufrechtzuhalten ist. „Die heutige Wanderschaft entspricht dabei hochgradig der Idee des – zunehmend individualisierten und privatisierten – lebenslangen Lernens.“ Chef Jörg Reinstorf, der selbst vor über 25 Jahren auf „Tippelei“ war, sieht in der Wanderschaft „eine einmalige Chance, sich neben beruflichen Erfahrungen, persönlich und weltoffen zu formen und zu entwickeln“.

Baustellenradio ist wichtig

Egal, welche Aufgaben demnächst vor Tayler Hofmann und dem Baustellenteam liegen, das grüne Baustellenradio klingt immer. Je nach Zusammensetzung und Geschmack des Teams, von Radio Niedersachsen bis Pop-Radio.

Henrik Löbens ist Lehrer der Bautechnik an der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) in Celle. Quelle: bbs 2

Nachgefragt bei Henrik Löbens

Henrik Löbens ist Ansprechpartner und Klassenlehrer der Zimmerer in der Bautechnikabteilung der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) in Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Zimmerer?
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre, kann aber auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Voraussetzung für eine verkürzung sind entsprechend gute Noten und eine Zustimmung vom Ausbildungsbetrieb und der Schule. Mit dem erfolgreichen Besuch der einjährigen Berufsfachschule Bautechnik (BFB) an der BBS 2 kann die duale Ausbildung auch im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?
In der Berufsschule planen die Auszubildenden verschiedene Dachkonstruktionen einschließlich der notwendigen Berechnungen und Zeichnungen der Dachstühle. Des Weiteren werden die Inhalte der traditionellen Holzverbindungen für den Fachwerkbau sowie moderne energieeffiziente Holzrahmenbaukonstruktionen vermittelt. Ein immer wichtiger werdender Aspekt stellt die Instandsetzung und Sanierung von Altbauten aus Holz dar.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Nach zwei Jahren findet die Zwischenprüfung statt. Die Gesellenprüfung wird zum Ende der dreijährigen Berufsausbildung abgelegt. Beide Prüfungen beinhalten einen theoretischen und einen praktischen Teil. Nach erfolgreicher Ausbildung erhalten die Auszubildenden ihren Gesellenbrief.

Wem würden sie die Ausbildung empfehlen?
Als angehender Zimmerer sollte man eine gute körperliche Konstitution, handwerkliches Geschick und Teamfähigkeit mitbringen. Wer gerne draußen auf der Baustelle arbeitet, auch auf Leitern und Dächern schwindelfrei unterwegs ist und gerne bei der Arbeit anpackt, ist in diesem Berufsfeld richtig aufgehoben.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Im Landkreis Celle und natürlich auch überregional werden zurzeit händeringend Auszubildende und Gesellen im Handwerk gesucht. Nach der Ausbildung können die Gesellen als Weiterbildungsmöglichkeit die Meisterschule oder beispielsweise die Fachoberschule Technik Klasse 12 an der BBS 2 besuchen und die Fachhochschulreife erwerben.

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Zimmerer

Was macht man in diesem Beruf?
Zimmerer und Zimmerinnen bauen Holzhäuser und Dachstühle oder nehmen Innenausbauten vor. Sie errichten Fachwerkkonstruktionen, oder ganze Fertighäuser, montieren Fenster, Türen, Treppen, Trennwände und Außenwandverkleidungen, die sie gegebenfalls auch selbst gefertigt haben. Zudem modernisieren und sanieren sie Altbauten und restaurieren historische Holzkonstruktionen. Dabei arbeiten sie in Abstimmung mit der Bauleitung, nach Bauplänen und sonstigen technischen Vorgaben.
Wo arbeitet man?
Beschäftigungsbetriebe:
Sie finden Beschäftigung in erster Linie
• in Zimmereien
• in Ingenieurholzbaubetrieben
Arbeitsorte:
Sie arbeiten in erster Linie
• auf Baustellen in Gebäuden oder im Freien
• in Werkstätten beziehungsweise Werkhallen
Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.
Worauf kommt es an?
Anforderungen:
• Gute körperliche Konstitution (zum Beispiel schwere Holzbalken und Bauteile wie Treppen oder Fenster
heben und tragen)
• Geschicklichkeit und Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Herstellen von Verschalungen und Verkleidungen aus Holz oder beim Bedienen von Greif- und Flaschenzügen)
• Umsicht (zum Beispiel beim Aufrichten von Dachstühlen oder bei der Arbeit auf Leitern und Gerüsten beziehungsweise auf dem Dach)
• Teamfähigkeit (zum Beispiel bei der gemeinsamen Montage von Holzkonstruktionen)
Schulfächer:
• Mathematik (zum Beispiel für das Berechnen von Werkstückmaßen, Materialkosten und Materialbedarf)
• Physik (zum Beispiel zum Beurteilen physikalischer Eigenschaften von Werkstoffen)
• Werken/Technik (zum Beispiel. für den Umgang mit Handwerkzeug und Kleinmaschinen; technisches Zeichnen)
Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich):
• 1. Ausbildungsjahr: 805 bis 890 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 1000 bis 1230 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 1210 bis 1495 Euro

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