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Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Celle

09:00 26.12.2020
Von Svenja Gajek
Kevin Krug fühlt sich wohl beim Landkreis Celle. In seinem Büro, dem "Turmzimmer", verbringt der Auszubildende den größten Teil seines Arbeitstages. Computer und Telefon sind natürlich wichtige Hilfsmittel, aber manchmal greift der 26-Jährige auch zu Block und Stift. Quelle: David Borghoff
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Celle

Arbeiten in der Verwaltung? Für viele junge Menschen klingt das nicht gerade nach einem Traumjob. Doch gerade in der Coronakrise hat sich gezeigt, wie wichtig Verwaltung ist, damit das öffentliche Leben weiterlaufen kann. Derzeit gibt es 64 Auszubildende beim Landkreis Celle. Einer von ihnen ist Kevin Krug. Der junge Mann absolviert gerade seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Er ist bereits im dritten Lehrjahr und hat seine Entscheidung bisher nicht bereut. "Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt der 26-Jährige.

Die Gesetzessammlung ist eines von Kevin Krugs wichtigsten Hilfsmitteln. Quelle: David Borghoff

Alte und neue Hilfsmittel

Zu Krugs Handwerkszeug gehören natürlich Computer und Telefon. Zwar gibt es auch die guten alten Hilfsmittel wie Umlaufmappen und Stempel, doch die Digitalisierung schreitet voran. Wer bei der Kreisverwaltung arbeiten will, muss mit den neuesten Computerprogrammen umgehen können. Ständige Fortbildung ist eine Grundvoraussetzung. Immer zur Hand hat Krug eine Gesetzessammlung in Buchform. "Die gibt es natürlich mittlerweile auch online", erklärt er.

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"Teamfähigkeit und Selbstständigkeit werden hier großgeschrieben", sagt Nadine von Hörsten, Ausbildungsbetreuerin bei der Celler Kreisverwaltung. Quelle: David Borghoff

In Krisenzeiten Einsatzbereitschaft zeigen

Doch das Gesetz ist nur die eine Seite, wichtig ist vor allem auch die Vermittlung. „Als Verwaltungsfachangestellter sollte man selbstsicher mit Menschen umgehen können, weil man neben der Schreibtischarbeit auch Bürger berät", sagt Ausbildungsleiterin Nadine von Hörsten. "Zudem sollte man verantwortungsbewusst sein, weil man oft weitreichende Entscheidungen für die Menschen trifft. Teamfähigkeit und Selbstständigkeit werden hier auch großgeschrieben." Dazu kommt hohe Einsatzbereitschaft. Denn in Zeiten wie diesen können zum Beispiel die Mitarbeiter des Krisenteams zur Corona-Bekämpfung nicht auf die Uhr schauen, wenn es um Themen wie die Schaffung des Impfzentrums oder die Eindämmung der Infektionszahlen geht.

Attraktive Angebote

Das Berufsbild des Verwaltungsfachangestellten ist abwechslungsreicher als man gemeinhin denkt. Ebenso verlockend sind das verhältnismäßig hohe Einkommen und gute Möglichkeiten, Freizeit und Beruf unter einen Hut zu bringen. Denn der öffentliche Dienst lockt mit verschiedenen Teilzeitvarianten und definierten Arbeitszeiten. Außerdem gibt es die Möglichkeit von Teilzeit und Telearbeit beim Landkreis. Dies wurde gerade im Zuge der Corona-Pandemie erheblich ausgeweitet. Die Ausbildung endet mit einer Abschlussprüfung, die sich aus einem schriftlichen und praktischen Teil zusammensetzt. Danach bestehen gute Übernahmechancen.

Gutes Deutsch ist wichtig

Grundvoraussetzung für eine Verwaltungsausbildung ist die gute Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Interesse für Wirtschaft und Politik sowie ein Grundverständnis von mathematischen Zusammenhängen sind ebenso wichtig.

Zu Kevin Krugs Aufgaben gehört das Einscannen der Post. Quelle: David Borghoff

Viele Möglichkeiten für die berufliche Zukunft

Im Moment wird Krug beim Personalamt eingesetzt, er hat aber auch schon das Amt für Bildung und Kultur, das Straßenverkehrsamt und das Ordnungsamt kennengelernt. Immer wieder hatte er dabei direkten Kundenkontakt, zum Beispiel hat er in der Zulassungsstelle beim Straßenverkehrsamt Führerscheine ausgegeben sowie An- und Ummeldungen von Fahrzeugen durchgeführt. "Mir gefällt es, dass man in verschiedenen Ämtern eingesetzt wird und dadurch in viele unterschiedliche Bereiche hineinschnuppert", so Krug. Mit seiner Ausbildung kann er nach erfolgreicher Prüfung in seiner beruflichen Laufbahn sehr unterschiedliche Positionen in der Verwaltung besetzen und so immer mal wieder die Perspektive und Herausforderungen über die Jahre verändern.

Kenntnisse auch fürs Privatleben

Der junge Mann hat den Beruf nicht durch ein Praktikum kennengelernt, sondern sich direkt beworben. Dann durchlief er das Auswahlverfahren mit Einstellungstest und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Krug ist froh, dass alles so glatt gelaufen ist. "Das ist genau mein Ding", bekräftigt er. "Einiges kann man auch im Privatleben gut gebrauchen, beispielsweise Kenntnisse aus dem Privatrecht." Krug gefällt außerdem die Strukturiertheit seiner Arbeit: Wenn man ein Gutachten schreibe, dann sei das wie das Zusammensetzen eines Puzzles.

Alles hat seine Ordnung: Kevin Krug behält den Überblick. Quelle: David Borghoff

Kevin Krug: "Am Ende sieht man ein klares Ergebnis"

Vielleicht wird Krug nach Abschluss seiner Ausbildung zum Ordnungsamt gehen: "Meine Zeit in der Abrechnungsstelle für Rettungsdienstleistungen fand ich sehr spannend. Man hat seinen Stapel an Protokollen, die man abarbeitet und am Ende des Tages sieht man ein klares Ergebnis."

So viele Auszubildende zum Verwaltungsfachangestellten besuchen die BBS 1 in Celle

Im Bildungsgang Verwaltungsfachangestellter sind momentan 64 Auszubildende Schüler der Berufsbildenden Schulen 1 in Altenhagen (1. Ausbildungsjahr: 21; 2. Ausbildungsjahr: 23; 3. Ausbildungsjahr: 20).

Nachgefragt bei Reinhard Gertken

Reinhard Gertken ist Bildungsgangsleiter für die Verwaltungsfachangestellten an den Berufsbildenden Schulen 1 Celle.

Quelle: Oliver Knoblich

Wie lange dauert die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten?

Die Ausbildung dauert drei Jahre und kann bei guten Leistungen um ein halbes Jahr verkürzt werden. In Ausnahmefällen ist sogar eine Verkürzung um ein Jahr möglich.

Wie sind die Zugangsvoraussetzungen?

Die Auszubildenden verfügen in der Regel über einen einfachen Realschulabschluss beziehungsweise den erweiterten Realschulabschluss (erweiterter Sekundarabschluss I). Die Schüler mit dem einfachen Realschulabschluss haben in der Berufsschule die Möglichkeit, den erweiterten Realschulabschluss zu erwerben. Einige Auszubildende verfügen über die Fachhochschulreife beziehungsweise das Abitur.

Worum geht es in der Ausbildung?

Die Ausbildung wird an drei Lernorten vollzogen. Neben der praktischen Ausbildung in den einzelnen Verwaltungen findet die theoretische Ausbildung in der Berufsschule und bei dem Niedersächsischen Studieninstitut (NSI) statt. Während die Ausbildung beim NSI in Lehrgängen mit überwiegend juristischen Inhalten erfolgt, wird in der Berufsschule im Blockunterricht (13 zusammenhängende Wochen Unterricht am Stück pro Ausbildungsjahr) neben den allgemeinbildenden Fächern Englisch, Deutsch und Politik die berufsspezifischen Lernfelder aus den Bereichen Wirtschaft (Beschaffung, Marketing und Rechnungswesen) und Recht (Kommunal-, Sozial- und Staatsrecht) in ungefähr gleichem Umfang unterrichtet. Nach eineinhalb Jahren findet die Zwischenprüfung, am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung statt, wobei letztere aus vier schriftlichen und einer praktischen Prüfung besteht.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Die praktische Ausbildung ist sehr vielseitig und abwechslungsreich, da sowohl in Abteilungen beziehungsweise Ämtern mit regem Bürgerverkehr (zum Beispiel Bürgeramt/Sozialamt) als auch in Abteilungen beziehungsweise Ämtern mit geringen Außenkontakten (zum Beispiel Personalamt/Kämmerei) in sehr unterschiedlichen Themenbereichen ausgebildet wird.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Die Übernahmeaussichten sind zur Zeit gut bis sehr gut. Zudem bieten die Verwaltungen ein hohes Maß an Beschäftigungssicherheit. Ein zusätzlicher Vorteil ist die große Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten, die von einer Verwaltung mit ihrer großen Beschäftigtenzahl geboten werden kann. Des Weiteren besteht nach der Ausbildung die Möglichkeit, sich über Lehrgänge bei dem NSI weiterzubilden und in den gehobenen Dienst aufzusteigen.

Steckbrief Verwaltungsfachangestellte

Was macht man in diesem Beruf?

Verwaltungsfachangestellte der Fachrichtung Kommunalverwaltung bereiten Sitzungen von kommunalen Beschlussgremien wie Gemeinderäten vor und sind an der Umsetzung der Beschlüsse beteiligt. Sie erarbeiten Verwaltungsentscheidungen auf der Basis von Bundes-, Landes- und kommunalem Recht und verständigen die Beteiligten darüber. Weiter erledigen sie Verwaltungsaufgaben im Bereich kommunaler Wirtschafts-, Struktur- und Kulturförderung. Auch kaufmännische Tätigkeiten in kommunalen Verwaltungs- und Eigenbetrieben gehören zu ihren Aufgaben. In der Personalverwaltung führen sie unter anderem Personalakten und berechnen Bezüge oder Gehälter. Im Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen sind sie an der Erstellung und Ausführung von Haushalts- und Wirtschaftsplänen beteiligt. Oft sind sie Ansprechpartner für Organisationen, Unternehmen und Rat suchende Bürger.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

Verwaltungsfachangestellte der Fachrichtung Kommunalverwaltung finden Beschäftigung

• bei Gemeinde- und Kreisverwaltungen

• in kommunalen Ämtern und Behörden, Bau-, Gesundheits- oder Kulturämter

Arbeitsorte:

In erster Linie in Büroräumen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Verwaltungen überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein.

Worauf kommt es an?

• Sorgfalt und Verschwiegenheit

• Lernbereitschaft

• Kundenorientierung und Kommunikationsfähigkeit (zum Beispiel für das Beantworten von Bürgeranfragen, für das Erklären von Verwaltungsentscheidungen)

Wichtige Schulfächer:

• Wirtschaft/Recht

• Deutsch (beim Erledigen von Schriftverkehr und Erstellen von Protokollen und Berichten)

• Mathematik (beim Bearbeiten von Vorgängen zur Erhebung von Abgaben und Entgelten sowie zur Einziehung privatrechtlicher Einnahmen)

• Politik/Sozialkunde

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 1018 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 1068 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 1114 Euro

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