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Ausbildung zum Pflegeassistenten in Celle

18:35 29.01.2021
Von Svenja Gajek
Grundlegende anatomische Kenntnisse gehören zur Pflegeassistenz-Ausbildung dazu: Ayad Murat zeigt an einem Modell der menschlichen Wirbelsäule, was er gelernt hat. Jennifer Kratkey kann schon gut mit dem Rollstuhl umgehen. Mit diesem bringt sie die pflegebedürftigen Menschen von A nach B.
Grundlegende anatomische Kenntnisse gehören zur Pflegeassistenz-Ausbildung dazu: Ayad Murat zeigt an einem Modell der menschlichen Wirbelsäule, was er gelernt hat. Jennifer Kratkey kann schon gut mit dem Rollstuhl umgehen. Mit diesem bringt sie die pflegebedürftigen Menschen von A nach B. Quelle: David Borghoff (2) / Montage: Svenja Gajek
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Celle

Menschen waschen, beim Anziehen helfen, einfach für sie da sein: Dieser Job ist nur etwas für besonders hilfsbereite Leute, die keine Berührungsängste haben: Jennifer Kratkey und Ayad Murat gehören dazu. Sie durchlaufen gerade die Ausbildung zum Pflegeassistenten. Beide sind im zweiten Ausbildungsjahr und haben keine Scheu vor der oft anstrengenden Arbeit. Sie besuchen die Berufsbildenden Schulen 3 in Altenhagen. Dort sind momentan 54 Schüler im Bildungsgang Pflegeassistenz.

Menschen zu waschen ist gewöhnungsbedürftig

Kratkey hat einen ihrer Praxiseinsätze während der Ausbildung im Seniorenpflegeheim Tabor in Faßberg absolviert. „Ich habe die Bewohner geweckt und ihnen bei ihrer morgendlichen Routine geholfen“, berichtet die 17-Jährige. „Außerdem habe ich sie beim Gehen gestützt und ihnen das Essen angereicht.“ Verhältnismäßig einfache medizinische Tätigkeiten, beispielsweise die Medikamentenvergabe, dürfen die angehenden Pflegeassistenten nur unter Aufsicht durchführen. Die etwas heikleren Aufgaben – wie den Pflegebedürftigen beim Waschen zu helfen – waren Kratkey nicht unangenehm: „Am Anfang ist es ein bisschen seltsam, aber man gewöhnt sich schnell daran.“

Jennifer Kratkey schiebt den Handtuch-Wagen. In die Beutel kommen die benutzten Handtücher. Quelle: David Borghoff

Praktika in verschiedenen Einrichtungen

Die Ausbildung zum Pflegeassistenten ist eine schulische Ausbildung, die Lehrjahre sind nicht vergütet. Praktika in unterschiedlichen Betrieben bilden den Praxisanteil. Diese werden in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen und in der ambulanten Pflege durchgeführt. In der Berufsschule finden neben dem theoretischen Unterricht auch praktische Übungen statt.

"Kein Beruf, bei dem man pünktlich nach Hause gehen kann"

„Die jungen Menschen müssen ihre Scheu überwinden und die meisten schaffen das auch“, bestätigt Sieglinde Wallon, Ausbildungsbetreuerin im Haus Tabor. „Sie werden an solche Aufgaben natürlich langsam herangeführt. Die älteren Menschen sind häufig aufgeschlossen gegenüber neuen Gesichtern.“ Wer sich für die Arbeit in der Pflege entscheidet, sollte verantwortungsbewusst, stressresistent und mental stark sein. Wallon gibt zu bedenken: „Das ist kein Beruf, bei dem man pünktlich nach Hause gehen kann. Außerdem wird man oft mit dem Tod konfrontiert. Ein Seniorenpflegeheim ist schließlich das letzte Zuhause der Bewohner.“

Dankbarkeit von den Pflegebedürftigen

Jennifer Kratkey kennt den Pflegeberuf aus ihrer Familie. „Ich bin da einfach reingerutscht“, sagt sie. „Für mich war klar, dass ich das mache, aber ich hatte schon Respekt vor der Arbeit.“ Trotz aller Anstrengungen empfindet Kratkey den Beruf als sehr erfüllend. „Die Pflegebedürftigen sind uns dankbar, das spürt man.“

Wie wird ein Pflegebedürftiger fachgerecht gebettet? Ayad Murat weiß es. Quelle: David Borghoff

Beleidigungen aushalten

Auch Ayad Murat freut sich über den engen Kontakt zu den Menschen. Doch manchmal ist dieses Gefühl etwas getrübt. Murat kommt aus dem Irak. „Ich wurde von den älteren Patienten auch schon beleidigt“, erzählt er. „Doch das muss ich einfach an mir abprallen lassen. Die meisten können ja nichts dafür. Und mir macht die Arbeit trotzdem großen Spaß.“ Der 23-Jährige ist sich darüber bewusst, dass Pflegeberufe häufig in der Kritik stehen, doch davon lässt er sich nicht entmutigen: „Wir sind dazu da, den Menschen zu helfen und nicht, sie zu erniedrigen. Das muss man sich immer vor Augen halten.“

Einfühlungsvermögen und viel Herz

Murat hat praktische Erfahrung unter anderem in der Seniorenresidenz Beinsen in Celle gesammelt. „Man braucht Einfühlungsvermögen und viel Herz in diesem Job“, sagt sein Ausbildungsbetreuer Kevin Tuschling. Von Zwischenfällen dürfe man sich nicht erschüttern lassen. „Wir arbeiten mit Menschen und man kann nicht voraussehen, wie jemand in einer bestimmten Situation reagiert.“

Zukunftspläne

Kratkey und Murat möchten in dem Bereich bleiben und eine Fachkräfteausbildung anschließen. Bevor die junge Frau sich entscheidet, welchen Weg sie einschlagen wird, will sie erstmal ihr Praktikum im Krankenhaus machen. Murat strebt seinen Realschulabschluss an. Sein großer Traum ist es, Medizin zu studieren.

Nachgefragt bei Christina Arnhold

Quelle: David Borghoff

Christina Arnhold ist Bildungsgangleiterin der zweijährigen berufsqualifizierenden Berufsfachschule Pflegeassistenz an der Albrecht-Thaer-Schule (Berufsbildende Schulen 3) in Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zur staatlich geprüften Pflegeassistentin?

Die Ausbildung dauert zwei Schuljahre. Abhängig von den erreichten Noten können neben dem Berufsabschluss auch der Realschulabschluss oder der erweiterte Realschulabschluss erworben werden. Trotz relativ umfangreicher praktischer Anteile (24 Wochen in den Pflegeeinrichtungen), zählt die Pflegeassistenzausbildung zu den vollzeitschulischen Berufsausbildungen. Die Ferienzeit entspricht daher in der Regel den Ferienregelungen der allgemeinbildenden Schulen.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

In der berufsbildenden Schule werden die Auszubildenden überwiegend in praxisbezogenen Fächern (Lernfeldern) unterrichtet. Dabei geht es zum Beispiel um Inhalte wie Hygiene, Pflegemaßnahmen für unterschiedliche Pflegebedürftige, Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Planen, Durchführen und Auswerten von Förderangeboten, vorbeugende Maßnahmen (Prophylaxen), Anrichten und Anreichen von Mahlzeiten. Auch Kommunikation, genaue Beobachtung, Dokumentation und Ethik sind wichtige Lerninhalte. Wie es sich anfühlt, mit körperlichen Einschränkungen zu leben, erproben die Auszubildenden beispielsweise mit Hilfe eines Alterssimulators oder im Rollenspiel.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Praxiseinsätze und Schulblöcke wechseln sich ab. Die Ausbildung beginnt mit einem Schulblock. Dann folgen zwei Praxiseinsätze im Bereich der stationären Altenpflege. Für weitere Praxisblöcke können die Auszubildenden wählen zwischen Einrichtungen der Hilfe für Menschen mit Behinderungen, ambulanten Pflegediensten, Tagespflegeeinrichtungen oder bestimmten Stationen im Krankenhaus. Insgesamt sind 24 Wochen Praxiszeit verteilt auf die zwei Ausbildungsjahre vorgesehen. Am Ende der Ausbildung erfolgen schriftliche Prüfungen in vier Fächern und eine praktische Abschlussprüfung.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Die Ausbildung eignet sich für Menschen, die offen, einfühlsam und geduldig auf pflegebedürftige Personen eingehen können. Gesucht werden echte Teamplayer mit Power, die die ihnen anvertrauten Aufgaben verantwortungsvoll durchführen. Dazu ist eine persönliche und gesundheitliche Eignung Voraussetzung. Die Fähigkeit medizinisch-pflegerische Themen und den Umgang mit belastenden Situationen zu erlernen und angemessene Deutschkenntnisse sind ebenfalls wichtig. Wir begrüßen es, wenn Interessenten bereits vor der Bewerbung die Arbeit in der Pflege kennen gelernt haben, zum Beispiel durch ein Schnupperpraktikum. Viele Auszubildende der Pflegeassistenz nutzen diese zweijährige Ausbildung auch, um sich zu entscheiden, ob sie später eher in der Heilerziehungspflege oder in der Pflege arbeiten möchten. Aber auch für andere Berufsausbildungen im Bereich Gesundheit, wie Notfallsanitäter oder Ergotherapeut, ist der Besuch der Berufsfachschule eine gute Grundlage.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Pflegeassistenten können oft zwischen mehreren Stellenangeboten wählen, die die Auszubildenden teils schon während der Praxisblöcke erhalten. Mit guten Noten im Abschlusszeugnis stehen weitere Bildungswege offen, die teilweise verkürzt werden können. Nach Abschluss der Pflegeassistenzausbildung schließen viele Absolventen eine Fachkräfteausbildung an. An der Albrecht-Thaer-Schule wird zum Beispiel die generalistische Pflegeausbildung angeboten. Diese kann bei einem guten Abschluss in der Berufsfachschule Pflegeassistenz um ein Jahr verkürzt werden. Bei Eintritt in die Klasse 12 der Fachoberschule Gesundheit und Soziales mit dem Schwerpunkt Gesundheit-Pflege können die Schüler die allgemeine Fachhochschulreife erwerben. Auch die Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten können sie im Anschluss aufnehmen.

Steckbrief Pflegeassistenz

Was macht man in diesem Beruf?

Staatlich geprüfte Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten betreuen Menschen, die aufgrund ihres Alters, einer Behinderung oder Krankheit Unterstützung benötigen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Durchführung grundpflegerischer Tätigkeiten wie Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, bei der Körperpflege und Mobilisation., Sie helfen den betroffenen Personen auch bei Verrichtungen des täglichen Lebens und fördern deren Eigenständigkeit, indem sie sie zum Beispiel zu Bewegung und Beschäftigung anleiten.

Im ambulanten Pflegebereich beziehugsweise  in der Heilerziehungspflege können auch einzelne hauswirtschaftliche Tätigkeiten in den Aufgabenbereich fallen.

Wo arbeitet man?

• in Alten- und Altenpflegeheimen

• in Krankenhäusern

• in Einrichtungen zur Betreuung und Pflege von Menschen mit Behinderung

• bei ambulanten Alten- und Krankenpflegediensten

• in Privathaushalten und Wohngruppen pflegebedürftiger Personen

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Für die Ausbildung wird mindestens ein Hauptschulabschluss vorausgesetzt. Die Berufsfachschulen wählen Bewerber/innen nach eigenen Kriterien aus.

Worauf kommt es an?

Anforderungen:

• Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel für kranke und hilfsbedürftige Personen sorgen)

• Einfühlungsvermögen (zum Beispiel im Umgang mit alten und kranken Personen)

• Kommunikationsfähigkeit (zum Beispiel bei Gesprächen mit den zu betreuenden Menschen sowie deren Angehörigen, Teambesprechungen)

• Psychische Stabilität (zum Beispiel zur Wahrung einer professionellen Distanz im Umgang mit Menschen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen oder schwierigen hilfsbedürftigen Personen)

• Sorgfalt (zum Beispiel beim Dokumentieren der Pflegeleistungen oder Verwalten der persönlichen Daten der zu betreuenden Personen)

Wichtige Schulfächer:

• Ethik (zum Beispiel für die Betreuung hilfsbedürftiger Menschen)

• Religion

• Deutsch (z.B. für Beratungsgespräche, für die Pflegedokumentation)

• Hauswirtschaftslehre (z.B. für die Zubereitung der Mahlzeiten und die Wäschepflege)

Was verdient man in der Ausbildung?

Während der schulischen Ausbildung erhält man keine Vergütung.

Die Ausbildung ist förderungswürdig nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG)

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