Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Arbeit mit Hochspannung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt

Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei Celle-Uelzen-Netz

13:18 14.01.2021
Beim Celle-Uelzen-Netz lernen die Auszubildenden unter anderem alles zum Thema Stromversorgung. Kilian Schulte kümmert sich um das Einspeisemanagement, während Finja Santelmann an einem Übungsmodell arbeitet, der einen Hausanschluss simuliert.
Anzeige
Celle

Eine Region mit Strom versorgen und aufpassen, dass alles reibungslos funktioniert. Dafür sorgen die Mitarbeiter der Celle-Uelzen Netz GmbH. Finja Santelmann und Kilian Schulte lassen sich dort zu Elektronikern für Betriebstechnik ausbilden. Genug Spannung bietet der Beruf allemal. Aber jeder fängt erst einmal klein an.

Übungen in der Lernwerkstatt

Santelmann ist im ersten Lehrjahr. Die 16-Jährige ist zwei Tage die Woche in der Berufsschule, die anderen drei Tage verbringt sie im Betrieb und arbeitet unter anderem viel in der Lernwerkstatt, wo die Auszubildenden ihr Wissen und Können mithilfe von Übungsmodellen weiterentwickeln können. „Am liebsten mag ich es, wenn man praktisch arbeiten kann“, sagt Santelmann. Daher sind für sie die Übungen an den Baukästen rund um das Thema Schaltungen genau das richtige. Mithilfe der Modelle werden Hausanschlüsse simuliert, an denen die Auszubildenden Messungen durchführen können. Ohne Theorie geht es jedoch nicht. Am Whiteboard stehen die entsprechenden Formeln zur Berechnung von Spannung, Stromstärke und Widerstand. Zuerst wird errechnet, was rauskommen sollte, später wird nachgemessen. „Wir versuchen, Theorie und Praxis so nah wie möglich zusammenzubringen“, erklärt Ausbildungsleiter Axel Rösch.

Anzeige

Lehrlinge durchlaufen verschiedene Abteilungen

Santelmann kam über ein Praktikum zum Betrieb, in dem auch bereits ihr Bruder arbeitet. Auch Kilian Schulte bewarb sich, nachdem ihm ein zweiwöchiges Schülerpraktikum vom Unternehmen überzeugt hatte. Der 18-Jährige ist bereits im dritten Lehrjahr und hat damit auch die Zeit vor der Pandemie mitbekommen. Da durften die Auszubildenden, die noch keinen Führerschein hatten, zusammen mit den Monteuren zusammen rausfahren. Jetzt darf nur noch eine Person im Wagen sitzen. Die Lehrlinge durchlaufen verschiedene Abteilungen, wie zum Beispiel Mess- oder Haustechnik. „Mir hat es in der Netzabteilung gut gefallen. Dort konnte man zu Störungen oder zu Haushalten, die keinen Strom mehr hatten, rausfahren“, erzählt Schulte.

Auch am Computer werden Aufgaben erledigt. Dazu zählt auch das Schreiben von wöchentlichen Berichten. Quelle: David Borghoff

Beim Celle-Uelzen-Netz wird häufig im Team gearbeitet. Bei den Auszubildenden achtet auch immer jemand darauf, dass keine Fehler passieren. Das Thema Arbeitssicherheit spielt in diesem Beruf eine große Rolle. „Bei uns gibt es keine Arbeit ohne Unterweisung“, sagt Rösch. Jeder Mitarbeiter hat seine persönliche Schutzausrüstung, kurz PSA, zu denen Schuhe mit Stahlkappen und feuerfeste Hosen gehören. „Das besondere für Elektroniker im Bereich Betriebstechnik ist auf jeden Fall, dass hier mit Hochspannung gearbeitet wird“, meint Schulte. Daher sind die Sicherheitsvorkehrungen auch besonders wichtig.

Mithilfe beim Glasfaser-Projekt

Während es für Santelmann im ersten Jahr vor allem um die Grundlagen geht, können die Fortgeschrittenen auch an größeren Projekten mithelfen. Vergangenes Jahr haben mehrere Auszubildenden dabei geholfen, in Bergen 24 Wohneinheiten mit Glasfaser zu versorgen. Mit Monteuren wurden Rohre und die Technik verbaut und in Betrieb genommen. „Dabei hat man gemerkt, dass das Verlegen in der Praxis nicht so einfach ist wie in der Theorie angenommen“, erklärt Schulte. Momentan arbeiten die Auszubildenden auch teilweise im Homeoffice. „Dafür erhalten wir Aufgaben, die wir bis zu einem bestimmten Zeitpunkt lösen müssen oder erarbeiten Präsentationen“, erzählt Santelmann. Auch die Abgabe wöchentlicher Berichte gehört mit dazu.

Ausbildungsleiter Axel Rösch wirbt stark dafür, dass sich mehr Frauen beim Unternehmen bewerben. Quelle: David Borghoff

Wer in dem Bereich der Betriebstechnik arbeiten möchte, sollte auf jeden Fall ein mathematisches und physikalisches Interesse und Verständnis mitbringen. „Die Auszubildenen sollten mit Formeln umgehen und erkennen können, welchen Sinn die haben“, erklärt Axel Rösch, der sich vor allem noch mehr Frauen in diesem Beruf wünscht. „Wenn wir in Schulen unseren Beruf vorstellen, nehme ich auch gerne unsere Mitarbeiterinnen mit, um zu zeigen, dass Technik und Frauen kein Gegensatz bilden“, so der Ausbildungsleiter.

Nachgefragt bei Ralf Bollwig

Ralf Bollwig kümmert sich an den BBS 2 Celle um die angehenden Elektroniker für Betriebstechnik.

Ralf Bollwig ist der Bildungsgangleiter für die Elektroniker für Betriebstechnik an der BBS 2 in Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Elektroniker für Betriebstechnik?

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, kann aber bei guten Leistungen in Betrieb und Berufsschule auf drei Jahre verkürzt werden. Die Ausbildung findet vorrangig in der Industrie statt. Abiturienten können die Ausbildung ebenfalls verkürzen.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

Der schulische Teil gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die jeweils einen bestimmten Aspekt des Berufes abbilden. Hier lernt man Elektrotechnik kennen und programmiert Steuerungen. Weiterhin geht es um Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an Maschinen und Anlagen in großen Betrieben.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Im ersten Ausbildungsjahr, der sogenannten Grundstufe, werden alle Auszubildenden der Elektrotechnik zusammen unterrichtet. Hier werden die Grundlagen in den Bereichen Elektronik, Steuerungstechnik und Elektroinstallation behandelt. Danach spalten sich die einzelnen Fachrichtungen auf. In der Betriebstechnik dreht sich die Ausbildung dann um die Prüfung von Geräten, die Programmierung von Steuerungen, um Motoren, um die Planung und Instandhaltung von elektronischen Anlagen und um die Sicherheit elektrischer Anlagen. Derzeit erlernen 39 Schüler diesen Beruf, im ersten Ausbildungsjahr 15, im zweiten 5, im dritten 12 und im vierten sind es 7.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Wer diesen Beruf ergreifen möchte, sollte Spaß an der Lösung von Problemen haben. Wem Mathematik und Physik in der Schule gut gefallen haben und wer mit dem PC gut umgehen kann, ist in diesem Beruf genau richtig. Natürlich sollte auch technisches Interesse mitgebracht werden. In diesem Beruf geht es darum, Wartungen und Reparaturen in einem großen Betrieb durchzuführen. Wer also gerne etwas selber repariert oder baut, sollte sich für diesen Beruf besonders interessieren. Frauen sind in diesem Beruf noch unterrepräsentiert und darum umso willkommener.

Wie sind die Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt?

Die Aussichten sind hervorragend, in diesem Beruf herrscht Fachkräftemangel. Die Firmen suchen dringend Arbeitskräfte, sie werden überall in der Industrie und großen Betrieben gebraucht. Wer sich weiterbilden möchte, kann nach der Ausbildung die Fachoberschule besuchen und ein Studium anstreben oder sich über eine Technikerschule weiter qualifizieren.

Von Lisa Brautmeier

Steckbrief Elektroniker für Betriebstechnik

Was macht man in diesem Beruf?

Elektroniker für Betriebstechnik installieren elektrische Bauteile und Anlagen in den Bereichen elektrische Energieversorgung, industrielle Betriebsanlagen oder Gebäudesystem- und Automatisierungstechnik. Sie entwerfen Anlagenänderungen und ‑erweiterungen, installieren Leitungsführungssysteme und Energieleitungen, richten Maschinen und Antriebssysteme ein und montieren Schaltgeräte. Außerdem programmieren, konfigurieren und prüfen sie Systeme und Sicherheitseinrichtungen.

Sie überwachen die Anlagen auch, warten sie regelmäßig, führen regelmäßige Prüfungen durch und reparieren sie im Falle einer Störung. Sie organisieren auch die Montage von Anlagen und überwachen die Arbeit von Dienstleistern und anderen Gewerken. Bei der Übergabe der Anlagen weisen Elektroniker für Betriebstechnik die zukünftigen Anwender in die Bedienung ein.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

Elektroniker für Betriebstechnik finden Beschäftigung

• bei Herstellern von industriellen Prozesssteuerungseinrichtungen

• in Betrieben der Elektroinstallation

• in Betrieben der Energieversorgung

Elektroniker für Betriebstechnik arbeiten in erster Linie

• in Werk- beziehungsweise Produktionshallen

• in Werkstätten

Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch auf Baustellen im Freien.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?

Anforderungen:

• Geschicklichkeit und Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Verlegen von Kabeln an schwer zugänglichen Stellen)

• Technisches Verständnis (zum Beispiel beim Planen elektrischer Anlagen, beim Einbauen von Schaltgeräten)

• Umsicht (zum Beispiel beim Arbeiten an stromführenden Bauteilen und Spannungsanschlüssen)

• Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel beim Prüfen der Sicherheits- und Schutzfunktionen elektrischer Anlagen)

Wichtige Schulfächer:

• Mathematik (zum Beispiel für das Berechnen elektrischer Größen wie Ströme und Widerstände)

• Werken/Technik (zum Beispiel bei der Montage von Baugruppen in Schaltschränken; technisches Zeichnen)

• Informatik (zum Beispiel für den Zugang zu Programmierung und digitalisierten Arbeitsprozessen)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (brutto) in Niedersachsen:

Elektrohandwerk:

1. Ausbildungsjahr: 750 Euro

2. Ausbildungsjahr: 830 Euro

3. Ausbildungsjahr: 860 Euro

4. Ausbildungsjahr: 930 Euro

Metall- und Elektroindustrie
(monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 1000 Euro

2. Ausbildungsjahr: 1062 Euro

3. Ausbildungsjahr: 1156 Euro

4. Ausbildungsjahr: 1218 Euro

14.01.2021
Paula hat zwei Mamas - OLG Celle hört Regenbogenfamilie zu
Christian Link 14.01.2021