Architektur im Fokus

Buntes Leben in Celles Museen

Am "Celle-Tag" werden Museen der Herzogstadt zu Besuchermagneten.

  • Von Michael Ende
  • 28. May 2022 | 20:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Michael Ende
  • 28. May 2022 | 20:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Historisches und Kunst mit allen Sinnen erleben und ganz wörtlich "begreifen" – das konnten am Samstag die Besucher des "Celle-Tags" im Bomann- und im Kunstmuseum. „Architektur – Von Zimmermännern, Fachwerk und dem Hausbau“ lautete das Thema des Tages, das von ganz unterschiedlichen Seiten angegangen wurde.

Fachwerk zum Selberbauen

Besonders die jüngsten Besucher hatten keinerlei Berührungsängste – und genau das war auch so gewollt. So machten sich zum Beispiel die Freunde Martha, Rudolf, Ludwig, Clemens und Ferdinand im mystischen Dunkel des niedersächsischen Bauernhauses daran, eine Fachwerkwand zusammenzubauen. Gar nicht so einfach – aber auch längst nicht so schwer wie gedacht. "Fertig!" rief das Quintett, als das hölzerne 3D-Puzzle nach ein paar Minuten zusammen gesteckt war. Gelernt haben die jungen Leute dabei ganz spielerisch: Fachwerk ist eine genial einfache, nachhaltige Konstruktionsweise – recycelbar und "typisch Celle".

Im Innenhof des Museums lockte eine kleine Fachwerkbaustelle die Besucher an. Dort führen Zimmerleute in voller Kluft ihr uraltes Handwerk vor. Dabei konnten Besucher hautnah Arbeitstechniken und traditionelles Werkzeug erleben. Außerdem bot sich ihnen dort die Möglichkeit, selbst den Hammer zum Nageln zu schwingen, Holznägel zu ziehen, Weidenruten für eine Fachwerkwand zu flechten oder gleich die ganze Wand mit Lehm auszufachen.

Faszinierende Einblicke für Besucher

Die Museumspädagogische Werkstatt des Museums hatte extra eine kleine Zimmermannswerkstatt eingerichtet, in der unter fachkundiger Anleitung Hammer, Bohrer, Säge und anderes Werkzeug ausprobiert und nach Herzenslust mit Holz gebaut werden konnte. Dabei entdecken die angehenden Zimmerleute zum Beispiel beim Bau eines "Teufelsknotens" nicht nur den Baustoff Holz, sondern auch Grundlagen von Holzverbindungen, wie sie beim Fachwerkbau genutzt werden.

"Diese alten Techniken sind faszinierend. Wir sind extra wegen des schönen Fachwerks nach Celle gekommen, und hier können wir jetzt ganz genau sehen, wie so was damals und auch heute gemacht wurde und wird", sagte Martin Ostermann aus Dortmund, der mit seiner Frau Angela im Celler Land Urlaub macht: "Toll, dass das hier keinen Eintritt kostet."

"Celle-Tag" einmal im Quartal

Die kostenlose Öffnung gehöre zum Konzept des "Celle-Tages", der einmal pro Quartal stattfinde, sagte Museumsdirektor Stefan Daberkow: "Am letzten Samstag im Monat ist der Eintritt bei uns sowieso immer gratis, aber an besonderen Tagen wie diesem wollen wir so richtig Leben ins Museum bringen. Außerdem organisieren wir dann ein Flanier-Programm, das quasi bei einem Spaziergang durch die Häuser erlebt werden kann. Da ist für jeden etwas dabei."

„Speeddating mit Exponaten“

Besonders Familien nutzten am Samstag die Gelegenheit, ganz ungezwungen die enorme Bandbreite der Celler Museen zu erkunden. Im Kunstmuseum konnten sie Teil des Kunstexperiments „Bauen mit Licht und Farbe“ werden. Nachdem sie sich in der Lichtkunstaustellung inspirieren ließen, entwarfen sie gemeinsam strahlende Lichtarchitekturen.

Unterdessen luden Daberkow und sein Team zum „Speeddating mit Exponaten“ ein. So präsentierte Daberkow das aufwändig restaurierte Großgemälde „Das Tischgebet“ des Celler Künstlers Carl Kricheldorff. Außerdem wurde speziell für diesen Tag die umfangreich in Stand gesetzte Zunftlade der Celler Zimmerer aus der Schatzkammerhervorgeholt und gezeigt.