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Annika Jost macht eine Ausbildung zur Werkzeugmechanikerin in Celle

13:11 08.01.2021
Bevor Annika Jost mit Schutzbrille an der Drehbank im Celler Hehlentorgebiet steht, hat die junge Frau aus Hänigsen schon eine eineinhalbstündige Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinter sich. Dafür steht sie schon um 4.30 Uhr auf. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

Die Arbeitstage von Annika Jost beginnen bereits morgens um 4.30 Uhr: Mit dem Bus fährt sie von ihrem Wohnort Hänigsen nach Burgdorf, dann mit der Bahn nach Celle und schließlich mit dem Bus zur Ausbildungswerkstatt von „Dr. Kaiser“ am Wasserturm. Annika Jost ist morgens schon eineinhalb Stunden unterwegs, bevor sie im Betrieb eintrifft.

Quelle: Lothar H. Bluhm

Arbeit erfordert hohe Konzentration

Hier riecht es nach Metall und verdunstendem Kühlschmierstoff. Bohrmaschinen, Fräser und Drehbänke laufen mit unterschiedlichen metallischen Bearbeitungsgeräuschen auf Hochtouren, wenn sich die eingesetzten Werkzeuge wie Fräser, Bohrer und Drehstähle ins Metall vorarbeiten. Man sieht aufmerksame, konzentrierte, junge Erwachsene bei der Arbeit an den unterschiedlichen Maschinen.

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"Das Klassische am Werkzeugmechaniker ist nach wie vor, dass er alles kann", sagt Thomas Schramm, Ausbildungsleiter bei "Dr. Kaiser". Quelle: Lothar H. Bluhm

Drehen, fräsen, erodieren

„Ich muss um 7 Uhr hier sein“, sagt die 17-Jährige, die ihre langen blonden Haare so zu zwei Zöpfen geflochten hat, dass sie bei der Arbeit nicht stören: Annika Jost erlernt den Beruf der Werkzeugmechanikerin und hat mit Drehen, Fräsen und Erodieren zu tun. „Früher hieß der Beruf Werkzeugmacher“, beschreibt Ausbildungsleiter Thomas Schramm das Berufsbild. „Das hat sich alles gewandelt. Das Klassische am Werkzeugmechaniker ist aber nach wie vor, dass er alles kann.“ Er sei die Krone der Metallberufe, findet Schramm. Und das gelte selbstverständlich auch für Annika Jost.

Branche mit vielen Chancen

Ihr war schon früh klar, dass sie keinen Bürojob erlernen will. Nach dem Abschluss der Realschule Uetze besuchte die Hänigserin die Berufsfachschule in Burgdorf. „Dort hab' ich bemerkt, dass im Bereich Metall verschiedene Chancen liegen, die ich später nutzen kann“, sagt sie und berichtet, dass sie ein früheres Schüler-Praktikum in der Pflege eher langweilig fand.

Einstieg über ein Praktikum

Anders hier: Das dreitägige Praktikum, das sie vor ihrem Ausbildungsbeginn absolviert hat, gefiel ihr gut. Und Thomas Schramm war auch sehr zufrieden mit Annika. „Bei mir geht eine Einstellung nur über ein Praktikum“, verrät er seinen Grundsatz. So bestehe die Möglichkeit für den Bewerber, in den Beruf hineinzuschnuppern und der Betrieb kann sich ein Bild über den Kandidaten machen. „In dieser Zeit kümmern sich die Auszubildenden höherer Lehrjahre um die Praktikanten. Insofern schule ich beide.“

Von der Garagenwerkstatt zum modernen Unternehmen

Während ihrer Ausbildung durchlaufen die jungen Leute sämtliche Abteilungen der Firma, die sich seit 1977 von einer echten Garagenwerkstatt zu einem modernen Unternehmen mit Weltruf entwickelt hat, vom Einzelhandel mit Diamantwerkzeugen zum Problemlöser für die Kunden bei Fragen rund um die Schleifzone. 360 Mitarbeiter stellen in Celle die Präzisionswerkzeuge her. „Der Trend zu hochfesten, schwer zu bearbeitenden Werkstoffen ist in der Industrie ebenso ungebrochen wie die Forderung nach prozesssicheren, möglichst rund um die Uhr produzierenden Fertigungsanlagen“, beschreibt Schramm die Firmenphilosophie. „Damit sich unsere Kunden immer auf höchste Produkt- und Servicequalität verlassen können, fließen erhebliche Investitionen in die Mitarbeiterqualifikation, Forschung und Entwicklung.“ Kunden kommen aus der Energietechnik und der Automobil- und -zulieferindustrie ebenso wie aus der Luftfahrt- und Medizintechnik.

Quelle: Lothar H. Bluhm

So viele Auszubildende gibt es bei "Dr. Kaiser" zurzeit

Zurzeit machen bei „Dr. Kaiser Diamantwerkzeuge“ insgesamt 16 junge Leute ihre Ausbildung, vier pro Lehrjahr. „Die Ausbildung dauert insgesamt dreieinhalb Jahre und Erfolg muss man sich verdienen: In der Jugend mit Fleiß – im Alter mit Wissen“, sagt Meister Schramm.

Jost will im Betrieb bleiben

Annika Jost denkt, dass ihre Veranlagung zu einem Metallberuf vielleicht durch ihren Vater kommt, denn der lebt in Hamburg und ist auch Werkzeugmechaniker. „Ich habe aber schon früh eigene Entscheidungen getroffen“, sagt sie. So habe sie einen Schulwechsel selbst initiiert und sich für den Besuch der Berufsbildenden Schule entschieden. Die Idee für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz bei Dr. Kaiser ist durchs Internetsurfen entstanden: „Ich sehe momentan keinen Grund, das Unternehmen zu verlassen. Auch in 20 Jahren nicht.“

"In der Ausbildung lernt man fürs Leben"

Während der Ausbildung lernt sie alle Bereiche, Prozesse und Maschinen kennen, von der Konstruktion über das Diamantsetzen bis zum Erodieren. „Hier in der Ausbildungswerkstatt kann man die anderen Azubis immer fragen, und die Gruppenprojekte, an denen wir gemeinsam arbeiten, sind sehr gut. Die fördern das Gemeinschaftsgefühl.“ – Genau das ist für Thomas Schramm wichtig: „In der Schule lernt man für die Eltern, in der Ausbildung fürs Leben“, steht für den Ausbildungsleiter fest. Nicht ohne Grund schneiden seine Auszubildenden immer überdurchschnittlich gut bei Prüfungen ab.

Dreck geht wieder weg

Der bei den Metallarbeiten anfallende Schmutz macht der Auszubildenden Annika Jost nichts: „Man kann sich doch die Hände wieder waschen!“ – Danach bleibe dann Zeit, mit sauberen Händen Romantik- und Fantasybücher zu lesen oder Spaß mit den vier jüngeren Brüdern zu haben.

Nachgefragt bei Tobias Wulff

Quelle: cz

Tobias Wulff ist der Bildungsgangleiter für die Werkzeugmechaniker an den Berufsbildenden Schulen 2 Celle (Axel-Bruns-Schule).

Wie lange dauert die Ausbildung zum Werkzeugmechaniker?

Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre, kann aber um ein halbes Jahr bei guten Leistungen in der schulischen und fachpraktischen Ausbildung und um ein weiteres halbes Jahr verkürzt werden, wenn der Auszubildende die allgemeine Hochschulreife hat. Dazu müssen die IHK, die Berufsschule und der Ausbildungsbetrieb zustimmen. Wer zuvor eine einjährige Berufsfachschule, Schwerpunkt Metall, an der BBS 2 absolviert hat, kann, in Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb, im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Worum geht es in der Berufsschule?

In der Berufsschule erwerben die Auszubildenden die theoretischen Grundlagen für die berufliche Qualifizierung. Neben Deutsch und Politik werden auch die klassischen Lernfelder wie „Formgeben von Bauelementen durch spanende Fertigung“ oder „Planen und Fertigen technischer Systeme des Werkzeugbaus“ unterrichtet. Ziel ist es, den Auszubildenden die berufliche Handlungskompetenz zu vermitteln, um später als theoriegeleitete Praktiker im Arbeitsleben zu bestehen. Ein Schwerpunkt ist daher auch der Umgang mit Tabellenwerken, Programmierumgebungen für CNC-Maschinen sowie die komplexe mathematische Berechnung von Konturpunkten und/oder die Bestimmung von technologischen Daten.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Die Abschlussprüfung ist zweigeteilt. Der Abschlussprüfung Teil 1 findet nach 1,5 Jahren im zweiten Ausbildungsjahr statt und zählt 40 Prozent der Abschlussnote. Es werden die Grundlagen der maschinellen Bearbeitung mit Werkzeugmaschinen sowie Grundlagen der Elektro- und Steuerungstechnik geprüft. Die Abschlussprüfung Teil 2, die 60 Prozent der Abschlussnote zählt, erfolgt am Ende der Ausbildung. Die Abschlussprüfungen Teil 1 und Teil 2 sind jeweils in einen theoretischen und einen praktischen Prüfungsteil untergliedert. Bei bestandener Prüfung erhält der Auszubildende einen Facharbeiterbrief.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Im späteren Beruf ist die extrem genaue Fertigung von Werkstücken eine gewichtige Kernkompetenz. Dazu muss man neben dem technologischen Know-how auch die nötige Ruhe und Konzentrationsfähigkeit mitbringen, um die Planung der für die Fertigung nötigen Arbeitsschritte durchführen zu können. Zudem lernt man das Programmieren an der Maschine oder am Computer. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie belastbare mathematische Fähigkeiten sind von Vorteil. Da das Arbeiten in kleinen Teams sehr häufig ist, stellt auch die Teamfähigkeit eine Schlüsselqualifikation dar.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Derzeit ist es durch Corona schwer, Vorhersagen zu machen. In der Vergangenheit ist aber ein Großteil der Auszubildenden von den Ausbildungsbetrieben übernommen worden. Die Auszubildenden, die nicht übernommen wurden, hatten als Werkzeugmechaniker auf dem Arbeitsmarkt beste Beschäftigungschancen. An der Fachoberschule Technik (Klasse 12) erlangt man die Fachhochschulreife, um ein Bachelorstudium beginnen zu können.

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Werkzeugmechaniker

Was macht man in diesem Beruf?

Werkzeugmechaniker fertigen Stanzwerkzeuge, Gieß- und Spritzgussformen oder Vorrichtungen für die industrielle Serienproduktion und den Maschinenbau, zudem auch feinmechanische oder chirurgische Instrumente. Für die Herstellung setzen sie meist CNC-gesteuerte Werkzeugmaschinen ein, die sie auch selbst programmieren. Mithilfe der Dreh-, Fräs-, Schleif- und Bohrmaschinen fertigen sie die Einzelteile der oft komplexen Werkzeuge an. Dabei halten sie die durch technische Zeichnungen vorgegebenen Maße exakt ein. Einzelteile montieren sie zu fertigen Werkzeugen und bauen sie in die Produktionsmaschinen ein, zum Beispiel in Stanzmaschinen. Sie führen Probeläufe durch und kontrollieren die fertigen Erzeugnisse. Auch die Wartung und Instandhaltung von Werkzeugen und Maschinen gehört zum Aufgabengebiet.

Wo arbeitet man?

• in Betrieben der metall- und kunststoffverarbeitenden Industrie (mit Serienfertigung)

• in Werkzeugbaubetrieben

• in Unternehmen, die feinmechanische oder medizintechnische Geräte herstellen

Arbeitsorte:

• in Werkstätten

• in Produktionshallen

Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch

• beim Kunden vor Ort

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?

• Sorgfalt (zum Beispiel für das präzise, maßgetreue Anfertigen von Werkstücken)

• Geschicklichkeit und Auge-Hand-Koordination (beim Sägen, Fräsen, Feilen und Schleifen von

Metallteilen)

• Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis (bei der Montage von Bauteilen, bei

Wartungsarbeiten)

• Verantwortungsbewusstsein (Einhalten der Datenschutzvorschriften bei der Arbeit mit informationstechnischen Systemen)

Wichtige Schulfächer:

• Physik (für Kenntnis über mechanische Grundlagen und Begriffe wie Masse und Kraft)

• Werken/Technik (für die Arbeit an Fräs- und Schleifmaschinen; technisches Zeichnen)

• Mathematik (zum Beispiel für das Berechnen von Maschineneinstellwerten)

• Informatik (zum Beispiel für die Arbeit mit CNC-Maschinen)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (für Niedersachsen):

Metall- und Elektroindustrie (monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 1000 Euro

2. Ausbildungsjahr: 1062 Euro

3. Ausbildungsjahr: 1156 Euro

4. Ausbildungsjahr: 1218 Euro

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