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Celle Stadt Alltag und Liebe in Poesie gefasst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Alltag und Liebe in Poesie gefasst
15:33 13.06.2010
Lesung Mascha Kaléko von Rosemarie Schilling in der Celler Volkshochschule
Lesung Mascha Kaléko von Rosemarie Schilling in der Celler Volkshochschule Quelle: nicht zugewiesen
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Kaléko sei eine der „bedeutendsten jüdischen deutschsprachigen Lyrikerinnen“, so Schilling zu Beginn ihrer Reise in die „Welt der Phantasie, des Humors, der Sentimentalität und Melancholie“. Unmittelbar, fast naiv kleidete „die Philosophin der kleinen Leute“ Alltag und Liebe, Glück und Einsamkeit in Poesie. Auf alles wusste sie eine Antwort, ob auf Laufmaschen oder Heiserkeit.

Kaléko wurde 1907 im galizischen Schidlow, Österreich-Ungarn, heute Polen, als Golda Malka Aufen geboren. 1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, übersiedelte sie nach Deutschland. In Frankfurt am Main besuchte sie die Volksschule. Über Marburg zog die Familie 1918 nach Berlin. Hier verbrachte das Mädchen die Schul- und Studienzeit. 1929 veröffentlichte sie erste Zeitungsgedichte, die im heiter-melancholischen Ton die Lebenswelt der kleinen Leute und die Atmosphäre im Berlin ihrer Zeit widerspiegeln. Mit ihrem zweiten Mann und Vater ihres Sohnes Steven, Chemjo Vinaver, emigrierte sie 1938 in die USA. Nach dem Krieg wanderten sie nach Jerusalem, Israel aus.

Charakteristisch für ihre Arbeit ist die Großstadtlyrik mit ironisch-zärtlichem, immer auch melancholischem Ton. Häufig wird Kaléko daher als weiblicher Erich Kästner bezeichnet. Ihre Sprache besitzt jedoch eine eigene Sinnlichkeit. Zart sucht sie nach dem sogenannten Glück, erfährt die Liebe wie ihr Scheitern – ist also zeitlos aktuell.

Schilling wählte einen Mix aus Gedichten wie „Ich und Du“, „Man braucht nur eine Insel“, „Rezept“, „Heimweh“ oder Kalékos Liebeserklärung „Wiedersehen in Berlin“. Auch Humorvolles, etwa die Gemüse und Tier-Gedichte wie „Zwiebel“ und „Der Floh“ las sie vor – in sprachpointiertem Ton. Sinnlich-zartere Nuancen waren seltener.

Von Aneka Schult