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Celle Stadt Abrechnungsbetrug: Ermittlung gegen Celler Apotheker
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Abrechnungsbetrug: Ermittlung gegen Celler Apotheker
14:47 13.06.2010
Celle Stadt

CELLE (mr). „Wir haben gegen mehr als 100 Apotheker Anzeige erhoben, die sich bis 2007 über Pharma-Großhändler im Ausland die Bestandteile für sogenannte Zytostatika beschafft haben sollen“, sagte der Sprecher der Techniker Krankenkasse, Herman Bärenfänger, am Donnerstag in Hamburg. Diese Zellwachstumshemmer für Krebspatienten sind dort wesentlich günstiger, aber in Deutschland nicht zugelassen.

Nach einem Bericht des Rundfunksenders NDR-Info stehen unter anderem Apotheker in Celle, Augsburg, Braunschweig, Kiel, Mainz, Münster und Wuppertal im Visier der Staatsanwaltschaft. Witold Franke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Celle, bestätigte der Celleschen Zeitung, dass gegen einen Apotheker aus Celle ermittelt wird. Seinen Namen oder den der Apotheke wollte er nicht nennen. „Noch liegen die Akten bei der Polizeiinspektion Celle“, sagte Franke. „Die polizeilichen Ermittlungen sollen im Mai abgeschlossen werden.“ Vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte könnten dann die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen beendet und über eine Anklageerhebung entschieden werden.

Franke wies gestern ausdrücklich darauf hin, dass diese Ermittlungen nichts zu tun hätten mit den Durchsuchungen in der Löns-Apotheke in der Westerceller Straße in Celle in den Jahren 2007 und 2009 und der Inhaftierung des damaligen Inhabers im vergangenen Jahr. Dabei ging es um Vorwürfe, Krankenhaus-Medikamente, die sehr günstig bezogen wurden, aber ausschließlich für die Verwendung in Kliniken bestimmt sind, umgepackt und an Dritte weiterverkauft zu haben.

Im neuen Verfahren sollen sich Apotheker die Bestandteile für Krebsmedikamente preisgünstig aus dem Ausland verschafft und die individuell zusammengestellten Medikamente dann zu den in Deutschland üblichen – und deutlich höheren – Preisen abgerechnet haben. „Im Zusammenhang mit diesem Verfahren sitzt oder saß kein Celler Apotheker im Gefängnis“, stellte Franke gestern klar.

Von Michael Regehly