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AKH Celle zieht Zwischenbilanz zu Intensivstation in Coronakrise

13:52 23.07.2021
Von Christoph Zimmer
Auf der Covid-Station im AKH Celle wurden zahlreiche Menschen betreut. 
Auf der Covid-Station im AKH Celle wurden zahlreiche Menschen betreut.  Quelle: Oliver Knoblich
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Celle

Rund 370 an COVID-19 erkrankte Menschen sind seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) streng isoliert behandelt worden –
etwa 100 davon mit einem akut lebensbedrohlichen Verlauf auf der Intensivstation, etliche mit Beatmungsnotwendigkeit, wie die Klinik am Freitag mitteilte.

AKH Celle: Menschen mit Symptomen seltener zum Arzt

Mit einem speziellen Behandlungskonzept konnten in diesem Bereich gute Erfolge erzielt werden, eine Entwicklung bereitet jedoch auch Sorge. Die positive Nachricht: Rund drei Viertel der beatmeten Intensivpatienten in Celle konnten
erfolgreich aus dem Krankenhaus entlassen werden. „Für beatmete Patientinnen und Patienten sind in Deutschland während der Pandemie sonst leider oftmals
Sterblichkeitsraten von etwa 50 Prozent zu beobachten gewesen. Da heben wir uns mit einem Wert von etwa 27 Prozent deutlich positiv ab. Wir werten das auch als Zeichen des Erfolges unseres Behandlungskonzeptes“, erklären Dr. Nicola Hettenbach, Oberärztin für die internistische Intensivmedizin am AKH, und Dr. Christian Wilken-Tergau, Oberarzt Kardiologie und internistische Intensivmedizin.

Sterblichkeitsrate in Celle deutlich unter Landesschnitt

Auch insgesamt, also nicht nur bei den Intensivpatienten, lag die Sterblichkeitsrate im AKH deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt.
Ein einzelnes Medikament direkt gegen COVID-19 gibt es dabei noch immer nicht – vielmehr eine gewisse Anzahl verschiedener Behandlungsmethoden. Diese sind jedoch noch nicht so gut erforscht, alles Wissen ist noch sehr unsicher und entwickelt sich dynamisch. „Wir haben uns im AKH recht frühzeitig für eine hochdosierte Therapie mit Cortisonähnlichen Substanzen und zu einer starken Blutverdünnung entschieden“, so Hettenbach und Wilken-Tergau weiter. Mit letzteren wird das Auftreten von Thrombosen und Lungenembolie vermieden.

Die Gabe von Cortison ist dabei aus anderen Behandlungszusammenhängen bereits bekannt – so etwa bei Asthma. „Ebenso hat sich der Einsatz von Bauchlage, auch bei nicht invasiv beatmeten, bewährt. Hier bestand schon vor
dieser Pandemie eine ausgesprochene Expertise bei unseren Intensivpflegekräften“ erläutern die Intensivmediziner.

Behandlungen von Herzinfarkt oder Schlaganfall gehen zurück

So positiv dieser Rückblick auf die Behandlungserfolge auf der Intensivstation – andere Entwicklungen bereitem dem Chefarzt Prof. Dr. med. Eberhard Schulz durchaus Sorge. Denn auch in Celle ist das deutschlandweit auftretende Phänomen zu beobachten, dass die Zahl der Behandlungen schwerer akuter Krankheitsfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie auch die Anzahl von Vorsorgeuntersuchungen gesunken ist.

Wegen der Corona-Pandemie gibt es aber sicherlich nicht plötzlich weniger
Herzkrankheiten. Vielmehr meiden anscheinend einige Menschen, oftmals trotz
offensichtlicher Symptome, das Krankenhaus – vielleicht aus Angst vor einer Ansteckung. Diese Angst ist jedoch absolut unbegründet“, unterstreicht Professor Schulz als Leiter der Klinik für Kardiologie. „Im AKH Celle gibt es seit Anbeginn der Pandemie ein strenges Hygiene- und Schutzkonzept, Covid-19-Patientinnen und -Patienten werden beispielsweise strikt isoliert. Abwarten kann bei Brustschmerz oder Luftnot lebensgefährlich sein.

Also sollte man bei Symptomen, Erkrankungen oder Vorsorgeterminen unbedingt ins Krankenhaus kommen. Ohne eine frühzeitige Behandlung riskiert man oftmals schwere und dauerhafte Gesundheitsschäden.“

Auch eine andere Entwicklung sehen die Mediziner kritisch: So verliert das Impftempo immer mehr an Fahrt – gerade auch jüngere Menschen meiden den Piks, oftmals weil sie denken, schwere COVID-Verläufe würden nur ältere Menschen betreffen. „Wir haben auf der Intensivstation direkt erfahren müssen, dass auch jüngere Patienten schwer erkranken können“, sagen Hettenbach und Wilken-Tergau. „Zwar überleben jüngere Menschen meist auch eine schwere Infektion, wenn sie dann entlassen werden, bedeutet das jedoch leider
oftmals nicht, dass diese Menschen wieder vollständig gesund sind.

Bei vielen besteht weiterhin eine ausgeprägte Einschränkung. Die Impfung ist hier von entscheidender Bedeutung. Sie schützt zu einem hohen Maß vor schweren Krankheitsverläufen und somit auch vor den daraus resultierenden Langzeitfolgen.“

Anbetracht der doppelt so infektiösen Deltavariante müsse davon ausgegangen werden, dass die meisten Ungeimpften in den kommenden Monaten an COVID-19 erkranken werden. „Mittelfristig“, so Hettenbach und Wilken-Tergau abschließend, „wird es nur noch Geimpfte und Genesene geben.“

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