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AKH Celle: 5 Gründe sich auch nach Corona-Impfung an Regeln zu halten

16:56 12.02.2021
Quelle: Christian Link
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Celle

Am vergangenen Montag ging es auch in Celle mit den COVID-19-Impfungen für die allgemeine Bevölkerung jenseits von Bewohnern und Beschäftigten von Pflegeheimen oder dem in besonders kritischen Bereichen arbeitenden Krankenhauspersonal los. „Die Impfung ist ein wichtiger Baustein innerhalb der Gesamtstrategie zur Eindämmung der Corona-Pandemie – aber eben auch nur ein Baustein“, sagt Prof. Dr. med. Stephan Hollerbach, Chefarzt Innere Medizin und Mitglied der Corona-Task-Force am AKH Celle. „Im Zusammenwirken mit den bekannten AHAL-Regeln, also Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften, ist sie erfolgsversprechend – aber eine Impfung ist kein Freifahrtschein“, unterstreicht der Mediziner und zählt fünf Gründe auf, warum sich auch nach einer Impfung an die Abstands- und Hygieneregeln gehalten werden sollte.

1. Keine Impfung ist 100% effektiv

„Obwohl die aktuelle Impfung mit der Biontech-Vakzine bis zu 95 Prozent Impfschutz nach 2 Dosen verspricht, wird dennoch etwa 1 von 20 Personen keinen Impfschutz entwickeln“, erläutert Hollerbach. Das liegt auch daran, dass bei den großen Zulassungs-Studien unter optimalen Bedingungen geimpft wurde, im „richtigen Leben“ sind dann die Daten meist nicht mehr ganz so gut. Beispielsweise muss der Transport des Impfstoffs optimal verlaufen und die Verabreichung durch geschultes Personal reibungslos erfolgen.

2. Die Corona-Impfung schützt nicht sofort

Es dauert Wochen, bis ein effektiver Impfschutz besteht: „Die modernen mRNA-Impfstoffe benötigen etwa zwei Wochen, bis effektive, das Virus zerstörende Antikörper gebildet werden. Da bei der Biontech-Vakzine eine Nachimpfung nach 3 Wochen erfolgen muss, kann man mit voller Wirksamkeit gegen das Coronavirus erst nach insgesamt fünf bis sechs Wochen rechnen“ unterstreicht der Mediziner.

3. Virus kann weitergetragen werden

„Es ist derzeit nicht klar, ob die aktuelle Impfung eine Weitergabe des Virus von Mensch zu Mensch zulässt oder nicht“, sagt Hollerbach. Bei anderen Impfungen (z.B. Masern oder Grippe) ist es unterschiedlich: bei der Masernimpfung schützt diese auch gegen die Weitergabe, bei der Grippeimpfung nicht. „Der einzig sichere Weg, die Virus-Weitergabe zu verhindern, auch wenn man selbst nicht krank ist, ist also, weiterhin Schutzmasken in Anwesenheit von anderen Menschen zu tragen“, so der Mediziner.

4. Masken schützen Menschen mit eingeschränktem Immunsystem

„Patienten mit Tumor-Krankheiten und Chemotherapie sowie Menschen mit Autoimmun-Krankheiten und immun-hemmender Behandlung haben ein erhöhtes Risiko, bei der Coronavirus-Infektion schwerer krank zu werden oder sogar zu versterben. Ob die Impfung bei Ihnen ebenso gut wirkt, weiß man gegenwärtig noch nicht genau“, sagt Hollerbach. Das liegt an mehreren Faktoren. So schwächen verschiedene Krebsarten (z.B. Lungenkrebs) die Bronchien und Lungen bereits vor einer Infektion erheblich, sodass sie Lungenentzündungen schwerer selbst bekämpfen können.

„Manche Krebs-Patienten sind auch zu schwach oder zu krank, um überhaupt eine Impfung erhalten zu können. Diese Patientengruppen sind also durch die Einhaltung der AHAL-Regeln weiter zu schützen“, unterstreicht der Mediziner. „Bei Patientinnen und Patienten mit gutartigen Immunerkrankungen hat man bisher keine sicheren Daten, die eine höhere Sterblichkeit bei Coronavirus-Infektionen beweisen. Die Impfung schadet ihnen nach heutigem Kenntnisstand nicht und schützt wahrscheinlich ähnlich gut wie bei Gesunden.“

5. Masken schützen auch gegen Mutanten

Masken schützen gegen jede Art von Coronaviren (auch gegen Mutanten); zudem schützen sie auch vor anderen Viren (besonders Grippeviren, andere Atemwegsviren und Noroviren): „Soweit derzeit bekannt, schützt die Impfung auch gegen die neu aufgetretenen Virus-Mutanten, etwa B.1.1.7. Dies ist aber nicht vollständig gesichert - und bei anderen Mutanten existieren noch keine Untersuchungs-Empfehlungen. Daher ist weiterhin Vorsicht bei Personenkontakten auch für Geimpfte geboten“, erläutert der Mediziner. Zudem hat sich gezeigt, dass infolge der Anwendung der AHAL-Regeln andere, im Winter häufig in Wellen und in Mengen verlaufende Virus-Infektionskrankheiten wie Grippe derzeit viel seltener auftreten als in vielen Jahren zuvor.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass es auch nach der Impfung wichtig ist, die AHAL-Regeln zu befolgen, um uns und unser Gegenüber optimal zu schützen – und um eine 3. Welle möglichst zu vermeiden. Ich appelliere an alle, diese gemeinsame Verantwortung wahrzunehmen. Nur so können wir die Pandemie überwinden“, sagt Prof. Hollerbach abschließend.

Oliver Gatz 12.02.2021
Marie Nehrenberg-Leppin 12.02.2021