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Celle Stadt 600 Euro Strafe für ein paar Patronen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 600 Euro Strafe für ein paar Patronen
13:03 13.06.2010
Celle Stadt

Ein paar Gewehr- und Pistolenpatronen, für die er nicht die notwendige Waffenbesitzkarte besaß, haben gestern dem Escheder Landwirts Joachim Nahtz eine Geldstrafe eingebracht. Wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilte Amtsrichterin Evelyn Flüshöh ihn zu 40 Tagessätzen á 15 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte mit 60 Tagessätzen á 20 Euro eine Geldstrafe in doppelter Höhe gefordert.

Seit Jahren stellt Nahtz sein Grundstück Neonazis für Sonnwendfeiern zur Verfügung. Am 19. März hatte eine Hundertschaft der Polizei das Anwesen am Rande Eschede durchsucht. Dabei händigte Nahtz bereitwillig einen Karabiner aus, eine „Dekowaffe, zugeschweißt, vom BKA gestempelt“, wie er selber sagt.

Bei der Durchsuchung kamen auch mehrere Gewehr- und Pistolenpatronen zum Vorschein – ob Nahtz sie ebenfalls vorlegte, oder ob sie von der Polizei in Schubladen oder Kästchen gefunden wurden, das blieb gestern in der Verhandlung offen. Als Altlasten seines Vater bezeichnete der 74-Jährige die Fundstücke .

Wegen des unerlaubten Besitzes der Munition hatte Nahtz einen Strafbefehl über 1800 Euro erhalten und dagegen Widerspruch eingelegt. Das machte die gestrige Verhandlung nötig.

„Was habe ich falsch gemacht?“, fragte der Landwirt und räumte ein, dass er in der Juristerei nicht bewandert sei. Die Munition könne man nur benutzen, wenn man die entsprechenden Waffen habe.

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe sähe das Waffengesetz vor und und er habe von den Patronen Kenntnis gehabt, erläuterte Oberamtsanwalt Carsten

Boenke im Plädoyer. 60 Tagessätze á 20 Euro fordere er, wobei berücksichtigt sei, dass Nahtz nicht vorbestraft sei und alles zugegeben habe.

„Ich findet das ungerecht. Was habe ich getan?“, fragte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Er habe nicht gewusst, dass das strafbar sei.

Beim Strafmaß berücksichtige Richterin Flüshöh Nahtz’ Einkommenssituation. 900 Euro monatlich hätten er und seine Frau zusammen, dazu etwa 100 Euro aus der Landwirtschaft, hatte der Escheder zuvor angegeben. Mit 50 Euro monatlich darf er seine Strafe abstottern, gerät er dabei in Verzug, wird der Restbetrag in einer Summe fällig. Zusätzlich muss Nahtz die Verfahrenskosten zahlen. Eine Woche Zeit hat er, um in Berufung oder Revision zu gehen. „Bedanken werde ich mich nicht“, sagte Nahtz zum Schluss.

Von Joachim Gries