Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Ortsteile Obdachlose jetzt „janz weit draußen“
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Obdachlose jetzt „janz weit draußen“
15:21 13.06.2010
Von Michael Ende
Stadt bringt Obdachlose im Flüchtlingswohnheim Scheuen unter
Stadt bringt Obdachlose im Flüchtlingswohnheim Scheuen unter Quelle: Peter Müller
Scheuen

JWD – „janz weit draußen“ liegt das städtische Wohnheim am Rand des ehemaligen Scheuener Kasernengeländes. Jahrelang wohnten hier Asylbewerber; jetzt sollen Obdachlose einziehen. „Ein wenig randlagig“ sei es schon, meint Stadtrat Stephan Kassel: „Aber die Leute, die da jetzt einziehen, werden damit kaum ein Problem haben.“ Doch genau das prophezeit Ulf Swiniartzki vom Bündnis Soziale Gerechtigkeit (BSG). Ein Hausmeister habe jetzt Obdachlosen mitgeteilt, dass ihr Umzug nach Scheuen unmittelbar bevorstehe, so Swiniartzki: „Geht man so mit den Betroffenen um? Ohne ein Zeichen der aktiven Hilfe wird eine Umsiedlung beschlossen? Gerade im Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung sind Lösungen gefordert, die Menschen in Not nicht weiter ausgrenzen.“

Kassel wehrt sich gegen diese Einschätzung des BSG-Politikers: „Niemand wird ausgegrenzt. In Scheuen werden wir jüngere männliche Singles unterbringen, die damit gut zurecht kommen. Alte oder kranke Obdachlose oder Familien kommen dort nicht hin.“ Da man sich von bisherigen Obdachlosenunterkünften trenne, weil sie stark sanierungsbedürftig seien – zwei Häuser in der Neustadt wurden kürzlich abgerissen – suche man jetzt neue Bleiben für Obdachlose, so Kassel: „Wir mieten auch Wohnungen an.“

Keinesfalls habe man vor, in Scheuen, Obdachlose zu „kasernieren“, so Kassel. Ziel sei es , den Menschen, die dort landeten, möglichst rasch ganz normale Wohnungen zu vermitteln: „Das ist nicht immer leicht, weil unsere Klientel dort oft recht antriebslos ist, aber deswegen werden sie von unserem Fallmanagement auch intensiv betreut.“ Die Weiternutzung des Scheuener Heims habe auch einen finanziellen Aspekt: „Ließe man es leer stehen, käme es dort zu Vandalismus, und verkaufen dürfen wir es laut Vereinbarung mit dem Ex-Besitzer Bund nicht vor 2013. So lange werden wir es nutzen.“