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Celle Ortsteile Klagen über chaotische Zustände
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Klagen über chaotische Zustände
13:36 13.06.2010
Busunternehmer Müller lässt auf eigene Kosten in Hustedt die Fahrbahn räumen;
Busunternehmer Müller lässt auf eigene Kosten in Hustedt die Fahrbahn räumen; Quelle: Peter Müller
Hustedt

Gestern Morgen um acht Uhr rollte der Bagger bei Müller Bustouristik an, um den Schnee vor dem Grundstück in Hustedt zu räumen. Bestellt hatte ihn jedoch nicht die Stadt Celle, sondern Busunternehmer Siegfried Müller. Voller Schnee sei die Straße in den vergangenen Tagen gewesen, für seine Busfahrer und Kunden wäre der Weg sehr gefährlich gewesen. Aus diesem Grund nahm Müller die Sache selbst in die Hand: Er sprach die Aktion mit der Stadt ab und ließ den Schnee auf eigene Kosten wegräumen. „300 Euro hat mich das gekostet“, erläutert Müller – für ihn gut angelegtes Geld. „Die Nebenstraßen kann die Stadt nicht binnen eines Tages räumen“, so der Busunternehmer weiter. Daher sei er auch in keinster Weise sauer – durch seine zehnjährige Erfahrung beim Winterdienst wisse er schließlich, dass die Räumfahrzeuge nicht überall gleichzeitig sein könnten.

Kritik an der Stadt gibt es von anderer Seite: Immer mehr Bürger beschweren sich bei der CZ über chaotische Zustände in den Nebenstraßen. So sei die Fischerstraße als „temporeduzierter Schleichweg“ bestens präpariert, während andernorts aufgrund der Schneemassen auf den Straßen fast nichts mehr ginge. „Dabei zahlen wir doch Straßenreinigungsgebühren und dürfen erwarten, dass wir uns nicht jeden Tag in der eigenen Straße festfahren“, so der Tenor der verärgerten Anrufer.

Und auch in der Innenstadt sind Parkflächen wie in der Schuhstraße zum Teil nicht geräumt, was das Ein- und Aussteigen aus dem Auto erschwert. Jens Hanssen, Leiter der Fachbereiche Straßen, Verkehr und öffentliche Einrichtungen, räumt ein, dass der Zustand „besser sein könnte“. Ganz zufrieden sei auch er nicht, da aber die Schneeräumung in den Ortsteilen jetzt Priorität habe, würde der restliche Schnee in der Innenstadt vor­erst liegen bleiben.

Zusätzlich bemängeln Bürger das Räumverhalten ihrer Mitmenschen. Klaus Peters hat seine Nachbarn im Hehlentor bereits darauf hingewiesen, dass sie zum Räumen des Fußwegs vor ihrem Grundstück verpflichtet sind. „Jedes Mal, wenn ich dort über den Bürgersteig gehe, muss ich aufpassen, mir nicht die Knochen zu brechen.“ Bei Problemen dieser Art rät Jens Hanssen, die Stadt auf die Ordnungswidrigkeit hinzuweisen. Kontrolleure würden außerdem prüfen, ob Anlieger vor ihren Grundstücken geräumt haben.

Dachdeckermeister Florian Becker weist darauf hin, dass sich an Celler Häusern zahlreiche Eiszapfen gebildet haben. „Wenn die Eiszapfen aus acht Metern Höhe herunterfallen, besteht Lebensgefahr“, sagt Becker. Auch Jens Hanssen bezeichnet die Eiszapfen als „Risiko“. Wird beim Entfernen öffentlicher Verkehrsraum genutzt, müsse eine Genehmigung eingeholt werden.

In Hustedt hat Busunternehmer Siegfried Müller gestern ein privates Unternehmen mit dem Räumen der Straße beauftragt.

Wenig Räummaterial in den Baumärkten

In den Celler Baumärkten bekommt jeder Kunde dieselbe Antwort, wenn er nach Streusalz und Schneeschiebern fragt: Beides ist nicht mehr zu kaufen. Auch Nachschub ist in den nächsten Tagen kaum zu erwarten. Kunden müssen daher vertröstet werden.

Auch bei den Gebrüdern Schubotz, die gemeinsam die Schubotz Mühle in Westercelle betreiben, sind Streusalz und Schaufeln seit Jahresende ausverkauft. Auf die Frage, wann er mit Nachschub rechne, antwortet Harald Schubotz mit Humor: „Im Sommer haben wir beides sicherlich wieder im Angebot.“ Am 22. Dezember habe er zwar 300 Tonnen Salz bei seinem Lieferanten bestellt, die Lieferung lasse aber auf sich warten. „Wir werden von Tag zu Tag vertröstet“, so Schubotz. Auch den nächsten Kunden, der auf seinen Hof fährt, muss er da vertrösten.

Der akute Mangel an Räummaterialien treibt in einigen Baumärkten seltsame Blüten: Während ein Laden Spülmaschinensalz zum Streuen anbietet, gibt es in einem anderen Geschäft Katzenstreu als Mittel gegen Schnee und Eis zu kaufen. „Das Streuen mit Salz ist dem Privatmann in Celle erlaubt“, erklärt Pressesprecherin Myriam Meißner. Und auch der Einsatz von Spülmaschinensalz ist nach Angaben von Jens Hanssen in der Residenzstadt erlaubt.

Streusalz wird nicht abgegeben

Sowohl die Landesstraßenmeisterei als auch die Stadt und der Landkreis Celle leiden unter akutem Salzmangel. „Wir haben noch 70 bis 80 Tonnen auf Lager“, sagt Matthias Reinecke von der Straßenmeisterei, die für Bundes- und Landesstraßen zuständig ist. Das reiche noch für zwei spärliche Einsätze auf den Straßen. Eine Abgabe an eine andere Meisterei komme deshalb auch nicht in Frage. „Wir bekommen selbst nur das Nötigste“, so Reinecke.

Auch der Landkreis Celle, der für die Kreisstraßen zuständig ist, hat noch rund 70 Tonnen Streusalz „gebunkert“. „Es wird aber immer weniger“, berichtet Kreisrat Gerald Höhl. Er hoffe, morgen noch eine Lieferung zu bekommen.

Bereits fast „auf dem Trockenen“ sitzt die Stadt Celle: Laut Jens Hanssen hat der Bauhof nur noch eine Notreserve auf Lager und streut die Straßen derzeit mit Sand.

Von Christian Uthoff