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Celle Ortsteile Flüchtlinge: Stadtverwaltung Celle will Leerstand nutzen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Flüchtlinge: Stadtverwaltung Celle will Leerstand nutzen
08:08 17.12.2015
Verträglich sollen zugewiesene Flüchtlingsfamilien in den Stadtteilen Neustadt/Heese und wie hier Klein Hehlen integriert werden.
Verträglich sollen zugewiesene Flüchtlingsfamilien in den Stadtteilen Neustadt/Heese und wie hier Klein Hehlen integriert werden. Quelle: Thomas Brandt
Heese

Nach dem Abzug der Briten Ende 2012 stehen in Celle insgesamt 131 Reihenhäuser leer, die jetzt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) auf dem Markt angeboten werden. Als Kommune hat die Stadt ein Vorkaufsrecht auf alle Gebäude, von dem Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) Gebrauch machen möchte. Grundlage ist eine neue Richtlinie zur verbilligten Abgabe von Grundstücken.

Genaueres erklärte Mende den Anwohnern auf einer kurzfristig organisierten Informationsveranstaltung in der Oberschule an der Welfenallee. Über die Städtische Wohnungsbau GmbH (WBG) werden die Häuser erst angemietet und dann angekauft. Die Kosten werden noch ausgehandelt. Insgesamt ist die Rede von 28 Häusern, 17 in Neustadt/Heese, wo ungefähr 10.800 Einwohner leben und elf in Klein Hehlen, wo es 5.500 Nachbarn gibt. Durchschnittlich sollen dort Familien, also vier bis sechs Menschen, auf den rund 90 Quadratmetern leben. Wahrscheinlich werde es sich dabei um viele Syrer und Iraker handeln, die zwischen drei und sechs Jahren hierbleiben würden, so Mende.

Der Oberbürgermeister erläuterte: „Die Zahl der Flüchtlinge überfordert die dortige Wohnbevölkerung nicht, gleichzeitig belastet es nicht die Interessenten, die ein solches Haus kaufen wollen.“ Klein Hehlens Ortsbürgermeister Klaus Didschies (CDU) fragte, wie die Stadtverwaltung die Sozialverträglichkeit sicher stellen wolle. Stadtrat Stephan Kassel antwortete, dass dafür die sozialräumliche Arbeit des Stadtteilmanagements vor Ort sorge.

Didschies hinterfragte die Auswirkungen des Ankaufs auf den Immobilienmarkt. Mende betonte: „Wir wollen niemandem die Chance auf ein Eigenheim verwehren, der lange für das Ersparte gearbeitet hat." Höchstens die Hälfte der Häuser werde die Stadt erwerben. Das Geld bekomme die Stadt von Land und Bund wieder.

Mehrmals wurden Ängste vor "Überfrachtung" geäußert, wenn zum Beispiel an einem Straßenende fünf Einheimische und am anderen Ende fünf Flüchtlinge wohnen würden. Man werde die Flüchtlinge nicht direkt nebeneinander unterbringen, „sondern sie werden hier und dort mal zwei oder drei Häuser beziehen – sodass man es nicht mehr wahrnimmt“, so Mende.

Die Häuser sollen in den nächsten Tagen besichtigt werden. Ungern sage die Stadtverwaltung, in welche Straßen die Flüchtlinge ziehen sollen, da habe man sich mit der Polizei verständigt. „Das wäre eine Einladung an die falschen Leute“, so Mende.

Von Dagny Rößler