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Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Ein Stück Celler Geschichte
13:24 13.06.2010
60 Jahre Autohaus Marhenke, Blick in die Werkstatt
60 Jahre Autohaus Marhenke, Blick in die Werkstatt Quelle: Melanie Schneid
Westercelle

Durch harte Arbeit und viel unternehmerisches Geschick hatte der Firmengründer seinen Betrieb stetig ausbauen können. Doch nicht immer gab es nur Sonnenschein im Leben der Unternehmerfamilie. In 60 Jahren Autohaus-Geschichte mussten auch so einige Rückschläge überwunden werden.

1949 – Die Gründung: Heinz-Leo Marhenke wird aus der russischen Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrt zurück nach Celle. In seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb Maussner findet der gelernte KFZ Mechaniker eine Anstellung. Abends nach der Arbeit und an den Wochenenden hilft der junge Mann seinem Onkel Otto Marhenke, der im Kreise 4 auf dem Hof und in einer Garage der Celler Bürstenfabrik eine Werkstatt für Wagenpflege betreibt, beim Wagenwaschen, -polieren, Reifen flicken und kleineren Reparaturen.

Im Herbst 1949 übernimmt Heinz-Leo Marhenke den Betrieb seines Onkels und beendet die Arbeit bei Maussner. Der frischgebackene Unternehmer arbeitet hart in seinem „Ein-Mann-Unternehmen“. Rund 75 Stunden in der Woche - die Werkstatt ist täglich bis 19:30 Uhr geöffnet, außer Sonntags, heißt es schon auf dem ersten Prospekt der Werkstatt. Seine spätere Frau Hildegard hilft ihm schon zu dieser Zeit im künftigen Familienbetrieb.

1951 – Vergrößerung: Als zu den Vorkriegsmodellen allmählich auch deutsche Nachkriegswagen auf den Markt kommen, vergrößert sich Marhenkes Kundenkreis. Zwei weitere Garagen werden angemietet.

1953 – Die ersten Autoverkäufe: Nachdem Heinz-Leo Marhenke im April seine Meisterprüfung abgelegt hat, können vom Betrieb auch größere Reparaturen übernommen werden. Aus der Werkstatt für Wagenpflege wird nun „Marhenke Kraftfahrzeuge“. In der Werkstatt werden gebrauchte Vorkriegsmodelle wieder hergerichtet und so die ersten Autoverkäufe realisiert. Neben zwei Hilfskräften wird auch der erste Lehrling eingestellt.

1955 – Erste Autovertretungen: Heinz-Leo Marhenke vertritt Renault und verkauft den legendären „4 CV“, der damals für 3990 DM zu haben war. Später kommt eine Vertretung für Barkas Lieferwagen hinzu. Schon acht Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb zu jener Zeit.

1956 – Neue Räume: Zu den Barkas Lieferwagen kommt mit den Wartburg PKWs die Vertretung einer weiteren Marke aus dem Osten. Die robusten Fahrzeuge lassen sich gut verkaufen und können technisch noch mit den westdeutschen mithalten.

Der Kraftfahrzeugbetrieb mit Werkstatt und Verkauf verlegt seinen Sitz in die Hannoversche Heerstr. 132. In Westercelle haben Heinz-Leo und Hildegard Marhenke mehr Platz und vor allem die benötigten Stellflächen.

1961 – Das Ende der Ost-Wagen: Durch den Bau der Berliner Mauer sind die Menschen nicht mehr bereit, die sogenannten „Ostzonenwagen“ zu kaufen. Nach fünf Jahren endet für Marhenke schlagartig das gute Geschäft mit den Wartburg- und Barkas Fahrzeugen.

1962 – Die Simca-Ära beginnt: Das französische Fabrikat Simca, später durch wechselnde Besitzer auch als Chrysler, Talbot oder Peugeot-Talbot bekannt, wird ins Programm aufgenommen und soll in den kommenden 20 Jahren zum Hauptstandbein des Westerceller Unternehmens werden. Der inzwischen als Heinz-Leo Marhenke KG fungierende Betrieb beschäftigt 1962 zehn Mitarbeiter.

1968 – Der Neubau: Das wachsende Volumen des Gebrauchtwagen-Handels hat zu einer Überlastung der bisherigen Räumlichkeiten geführt. In der Dasselsbrucher Str.6 findet sich mit einer Fläche von 5.000 Quadratmetern das passende Grundstück für einen modernen Neubau, der den gesamten Betrieb von nun an beherbergt. Einen „Sprung in eine neue Atmosphäre” nennt Marhenke dieses Ereignis in seiner Eröffnungsrede.

1970 – Verkauf von Rechtslenkern: Die Firma übernimmt auch den Verkauf von Rechtslenker-Fahrzeugen an die Angehörigen der englischen Besatzungsstreitkräfte, die in Norddeutschland stationiert sind. Eine aus englischen Zivilpersonen rekrutierte Verkaufsmannschaft ist in englischen Garnisonsstandorten wie beispielsweise Celle, Herford und Bergen unterwegs. Das Unternehmen nimmt erhebliche Investitionen für das Rechtslenkerprogramm in Kauf.

1973 – Die Werkstatt vergrößert sich: Werkstatt-Technik und Ersatzteilbevorratung müssen angepasst und aufgestockt werden. Die Werkstatt wird auf das Doppelte vergrößert. Das französische Simca-Werk ist inzwischen in amerikanische Hände übergegangen und gehört nun zu Chrysler.

1975 – Wegfall des Rechtslenker-Geschäfts: Die französisch-amerikanische Zentrale kündigt Marhenke plötzlich das Rechtslenker-Geschäft. Ein amerikanisches Unternehmen in Süddeutschland erhält das alleinige Vertriebsrecht der Rechtslenker, auch für Norddeutschland. Auf die inzwischen 45 Mitarbeiter starke Firma kommen durch den Wegfall des Engländer-Geschäfts Auslastungsdefizite und Finanzierungsprobleme zu.

1980 – Datsun-Nissan: Simca-Chrysler war 1977 in Talbot umgenannt und 1979 dann an den französischen PSA-Konzern (Peugeot-Citroen) verkauft worden. Der ständige Namenswechsel verunsicherte die Kundschaft. Neben den Talbot-Peugeot-Fahrzeugen konnte die Produktpalette um einige Peugeot-Modelle erweitert werden. 1980 erlaubt Peugeot-Talbot dem Unternehmen Marhenke aufgrund der immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Lage dann erstmals, noch ein Zweitfabrikat aufzunehmen. Es gelingt dem Unternehmen, die strenge räumliche Trennung der beiden Fabrikate einzuhalten, und die Vertretung von Datsun-Nissan zu bekommen.

1982 – Die Finanzkrise: Die japanischen Autos verkaufen sich vorerst zögernd, der Absatz von Talbot sinkt jedoch rapide. Der neue französische Besitzer schränkt zugunsten seiner Peugeot-Modelle das Talbot-Angebot ein, die Peugeot-Kundschaft ist jedoch an einen schon seit langer Zeit bestehenden anderen Vertragshändler vor Ort gewöhnt. Trotz größter Anstrengungen gelingt es nicht, die Heinz-Leo Marhenke KG aus der Finanzkrise zu befreien – im Herbst kommt es zur Liquidation. Unter vollem Einsatz der Familienmitglieder und einer Stammmitgliedschaft läuft die Kundenbetreuung jedoch weiter und durch die Konstituierung einer GmbH gelingt es, die Arbeit im bisherigen Betrieb fortzusetzen, die Hälfte der Räumlichkeiten wird allerdings an die Handwerkskammer vermietet.

1984 – Der Nissan Micra: Nur noch 16 Mitarbeiter stark ist das Unternehmen, dass sich inzwischen auf den exklusiven Verkauf von Nissan-Datsun spezialisiert hat. 130 Neuwagen und eine entsprechende Menge an Gebrauchtwagen werden in diesem Jahr verkauft. Der kleine Nissan Micra wird mit 11.300 DM zum Verkaufsschlager.

1989 – Die Grenzöffnung: Stetig wachsen Verkaufszahlen und Mitarbeiteranzahl. Inzwischen werden die gesamten Räumlichkeiten wieder selbst genutzt und der Betrieb wird entsprechend der Nachfrage aufgerüstet. Heidi Marhenke leitet inzwischen die Buchführung des Unternehmens. Mit der Grenzöffnung kommen in den folgenden zwei Jahren viele neue Kunden hinzu, die sich den Traum vom „Westwagen“ erfüllen.

1996 – Frauenfreundlich. Als erster Automobilanbieter Deutschlands veranstaltet Marhenke einen Aktionstag – nur für Frauen. Der Betrieb ist auch einer der ersten, der Frauen zu KFZ-Mechanikerinnen ausbildet. Die Geschäftsführung hat inzwischen Dietrich Marhenke, der Sohn des Firmengründers, übernommen.

1999 – 50 Jahre: Mit dem Firmengründer Heinz-Leo Marhenke wird das 50-jährige Betriebsjubiläum gefeiert. Nach Jahren größter Anstrengungen, nach Erfolgen und Rückschlägen steht das Autohaus auf einem sicheren Stand.

2000 – Die Brandkatastrophe: Am Ostersonnabend verursacht ein Kurzschluss in der Hauptstromleitung einen Brand, der das Unternehmen weitestgehend zerstört. Es entsteht ein Schaden von rund drei Millionen Mark, denn ein Teil der Werkstatt sowie das Ersatzteillager wurden von den Flammen vernichtet. Nach drei Tagen kann durch die Anmietung einer anderen Werkstatt, Errichtung eines Verkaufszeltes und Bürocontainern ein Ersatzbetrieb aufgenommen werden.

2001 – Das neue Autohaus: Die Firma hatte sich nach der Brandkatastrophe für einen Neubau entschieden. Die bestehenden Reste wurden abgerissen und 2001 kann das neue Autohaus in Betrieb genommen werden. Auf über 6.000 Quadratmetern wird nun die gesamte Fahrzeugflotte von NISSAN und ein umfangreiches Gebrauchtwagenangebot präsentiert.

2006 – Der zweite Japaner Nach dem Erfolg des ersten, kommt mit Mitsubishi Ende des Jahres ein weiteres japanisches Fabrikat ins Autohaus. Seit 2008 wird Mitsubishi von Marhenke separat in der Hannoverschen Heerstr. 115 A präsentiert.

2009 – 60 Jahre Geschichte: Immer noch täglich ist der inzwischen 88-Jährige Firmengründer Heinz-Leo Marhenke in seinem Unternehmen anzutreffen. Bei den 30 Mitarbeitern sind die Nissan- und Mitsubishi-Kunden in guten Händen. Gemeinsam feiern sie mit dem 60-jährigen Bestehen auch ein Stück Celler Geschichte.

Von Melanie Schneid