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Celle Ortsteile Celler Mitmenschen in Not: Schwerer Weg aus dem Martyrium
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler Mitmenschen in Not: Schwerer Weg aus dem Martyrium
23:42 19.12.2015
ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau versucht sich am 06.06.2012 in Berlin vor der Gewalt eines Mannes zu sch
ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau versucht sich am 06.06.2012 in Berlin vor der Gewalt eines Mannes zu sch Quelle: Maurizio Gambarini
Altencelle

Saskia Jordan (Namen wurden von der Redaktion geändert) ist am Ende ihrer Kraft. Sie leidet unter erheblichen Schlafstörungen, Angstattacken und Depressionen. Deshalb ist sie bereits in Behandlung. Die vergangenen Jahre hat sie ein Martyrium zwischen häuslicher Gewalt, Verachtung und Schwangerschaften erlitten, das erst mit dem Weggang des Ehemanns ein Ende gefunden hat.

Blass und abgemagert sitzt die vierfache Mutter bei einer Tasse Kaffee am Küchentisch. In einer der seltenen Pausen – die beiden Jüngsten machen Mittagsschlaf, die beiden Älteren sind noch in Schule und Kindergarten – hat sie Zeit zum Erzählen: „Ich selbst hätte wahrscheinlich noch immer keine Kraft gefunden, diesen Mann zu verlassen. Insofern muss ich dem Schicksal wohl dankbar sein, auch wenn ich nicht weiß, wie es weitergehen soll und ich noch immer Angst habe.“

Saskia Jordan war knapp 20 Jahre alt und arbeitete als Verkäuferin in einem Supermarkt, als sie schwanger wurde. Auch wenn ihr damaliger Freund um einiges älter war und nicht sehr zuverlässig, heiratete sie den Mann. „Ich war jung, wollte kein dummes Gerede und hab mir eingebildet, dass er sich ändert, wenn er eine Familie hat.“ Zunächst sah alles auch ganz gut aus. Tochter Marie war gesund, Saskia hatte Spaß am Mutter- und Hausfrauendasein und glaubte an die ewigen Ausreden ihres Mannes. Um das Haushaltsgeld aufzubessern, nahm sie, als ihre Tochter drei Jahre alt wurde, einen Teilzeitjob an der Kasse an.

Dann begann der Weg in die Verzweiflung: „Fritz begann richtig zu trinken, ohne Bier und Schnaps verging kein Abend. Morgens kam er vor lauter Kater nicht mehr aus dem Bett, schließlich haben sie ihn rausgeschmissen. Er war schon vorher ziemlich aggressiv, aber ab da wurde es richtig schlimm.“ Mit Beschimpfungen und Vorwürfen machte er seinem Frust Luft. Dann folgten Wutausbrüche und körperliche Gewalt. „Am Anfang hab ich mir nicht alles gefallen lassen, aber Widerspruch oder Widerstand haben ihn nur weiter gereizt. Dann war ich wieder schwanger, musste meinen Job aufgeben und jede Idee von Flucht war erloschen“. Die junge Frau blieb und litt. Ihr Sohn Robin ist heute vier, ihre Tochter Eva zwei. „Ich hatte keinen, der mir beistand, keinen, der mir das Gefühl gab, ich könnte mich herausretten. Als ich erfuhr, wieder schwanger zu sein, hab ich an Selbstmord gedacht.“

Saskia bekam schwere Depressionen, gefolgt von Angstzuständen. Auch an den Kindern gingen die verbale Gewalt, die groben Einschüchterungsversuche, die Ausbrüche des Vaters nicht spurlos vorbei. „Mein Mann hatte mich und die Kinder längst satt, blieb manchmal tagelang weg. Dann kam er wieder und tobte.“ Schließlich machte der Mann selbst dem Spuk ein Ende und zog zu einer neuen Frau.

Meldungen aus Schule und Kindergarten wegen Verhaltensauffälligkeiten der älteren Kinder machten das Jugendamt auf die Lage aufmerksam. Erst jetzt bekam die alleinerziehende Mutter auch die so notwendige psychologische Hilfe. Saskia Jordan und ihre Kinder sind in Therapie, die Scheidung ist eingereicht. Die Schlösser der Wohnung in Altencelle sind ausgetauscht, die Notfallnummer pinnt an der Tür. Für den Ersatz der maroden Schränke, deren ausgeangelte Türen noch von den Wutanfällen des Exmannes zeugen, reicht das Sozialhilfebudget allerdings nicht. Jetzt hat die Mutter ein neues Problem: Ihr Jüngster leidet seit seiner Geburt vor fünf Monaten an einer Schiefstellung des Kopfes. Laut ärztlichem Befund sollte er einen speziellen Helm angepasst bekommen und tragen – aber die Krankenkasse verweigert die Übernahme der Kosten.

So können Sie helfen

Helfen können Sie hier und in anderen Fällen mit Ihrer Geldspende. Das Konto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“ läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN DE38257500010000009910 bei der Sparkasse Celle (BIC: NOLADE21CEL). Spendenbescheinigungen werden ab einer Summe von 200 Euro ausgestellt, sofern ein Hinweis auf dem Überweisungsträger enthalten ist. Bei Spenden bis 200 Euro reicht dem Finanzamt Celle der Bankbeleg.

Von Doris Hennies