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Celle Ortsteile Altes Celle soll teilweise auferstehen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Altes Celle soll teilweise auferstehen
12:53 13.06.2010
Von Michael Ende
Altencelle

Noch haben Spaten, Kellen und Pinsel der Archäologen kaum den Altenceller Acker berührt, unter dem die versunkene Stadt Kellu schlummert, da geht den Spitzen von Neu-Celle auf, welcher Schatz dort nahe der Getrudenkirche schlummert: Diese „Wüstung“ gelte es zu nutzen, meint die Rats-SPD, die sich vom Beispiel Nienovers im Solling inspirieren lässt: Auch in Celle solle ein Museumsdorf entstehen, fordern die Sozialdemokraten.

Die SPD freue sich, bereits im Februar 2007 die Bereitstellung von Haushaltsmitteln für die Erforschung Ur-Celles beantragt zu haben und mache nun so weiter; so Fraktionsgeschäftsführer Joachim Schulze: „Wir haben jetzt beantragt, die zukünftige Finanzierung dieses einmaligen Ausgrabungsvorhabens in Altencelle zu sichern.“

l„Chefsache“: „Auf politische Anträge wird der Oberbürgermeister Martin Biermann in dieser Sache nicht warten“, sagt dazu der städtischen Pressesprecher Wolfgang Fischer: „Er hat bereits in der vergangenen Woche entschieden, Mittel für den Haushalt 2008 für die weiteren Untersuchungen nachzumelden. Über die Höhe werden derzeit Gespräche geführt. Herr Biermann hat großes Interesse an dem Vorhaben und es bereits zur Chefsache erklärt. Falls sich die Bedeutung der Funde bestätigt, werden wir die Ergebnisse der Öffentlichkeit in geeigneter Form zugänglich machen.“

l„Schlauer geworden“: „Diese veränderte Einschätzung begrüßt die SPD nachhaltig“, meint dazu Schulze, der daran erinnert, dass sich Biermann zunächst schwer damit getan habe, überhaupt zu glauben, dass im Altenceller Boden überhaupt etwas Nennenswertes zu finden sei. Damals habe Biermann „herzhaft gelacht“ und gesagt, wer glaube, hier ein zweites Forum Romanum oder Pompeji entdecken zu können, dem solle man getrost eine „Schippe in die Hand drücken und ihn losbuddeln lassen“. Was sich „einige Hobbyforscher da zusammengereimt“ hätten, sei nicht ernst zu nehmen, so Biermann im November 2006. „Schön, dass er jetzt schlauer ist, – zunächst hatte er wohl unbegründeterweise befürchtet, die versunkene Stadt könnte den Bau der Ostumgehung torpedieren“, freut sich Schulze über seinen „neuen Verbündeten“.

lFinanzierungsmöglichkeiten ergründen: Die SPD bittet die Verwaltung nun, Finanzierungsvorschläge für eine zukunftsträchtige Weiterentwicklung der Ausgrabungsstätte zu erarbeiten. Schulze: „Insbesondere bitten wir, mögliche realistische Kofinanzierungsmittel im Rahmen der EU-Förderung sowie Landes- und Bundesbezuschussungsmöglichkeiten zu ermitteln. Mittelfristig ist sicherzustellen, dass auch insbesondere unter touristischen Aspekten die einmaligen archäologischen Funde in Altencelle im Rahmen einer Planung für ein zukünftiges Museumsdorf an diesem Orte einbezogen werden.“ Auch der alte Hafen der Stadt solle nahe der Gertrudenkirche gesucht werden.

Im Landkreis Northeim ist man mit der Wiederbelebung der zu Beginn des 13. Jahrhunderts untergegangenen Stadt Nienover bereits weiter, als man das in Celle sein kann. Dort wurde das 300 mal 500 Meter große Gelände der Wüstung 1993 erkundet und wird seit 1996 planmäßig erforscht. Aus bescheidenen Anfängen hat sich ein interdisziplinäres Forschungsprojekt entwickelt, dass seit 1999 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. In Nienover wird derzeit das erste Rekonstruktion eines Fachwerkhauses aus der Zeit um 1230 errichtet. „Am 19. Oktober feiern wir Richtfest“, freut sich Northeims Kreisarchäologin Petra Lönne über das 300000 Euro-Projekt. Nienover solle am authentischen Ort unter dem Motto „Geschichte erleben – Archäologie zum Anfassen“ zu einem Motor für die regionale und touristische Entwicklung werden – kein Disneyland, sondern ein Ort, an dem Historisches greifbar gemacht werden könne. Der Aufbau eines entsprechenden Freilichtmuseums wird unter anderem von der EU, der Bundesagentur für Arbeit und der Lottostiftung unterstützt.