Urlaub zu Hause

Viel Natur und Geschichte rund um Altencelle

Wald, Fluss und Wiesen: Eine abwechslungsreiche Landschaft erstreckt sich zwischen Altencelle, Bockelskamp und Osterloh - immer den "C1" entlang.

  • Von Carsten Richter
  • 06. Sept. 2020 | 18:50 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 06. Sept. 2020 | 18:50 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Altencelle.

Stundenlanger Dauerregen – und ich will wandern gehen. Na toll! Beim Blick aus dem Küchenfenster vergeht mir die Lust. Aber ich bin ja nicht allein unterwegs, denke ich, und wenn erst einmal der innere Schweinehund überwunden ist ... So mache ich mich gespannt auf den Weg. Da ich in Altencelle wohne, ist dieser Ausflug für mich gewissermaßen ein Heimspiel. Langeweile? Keine Spur, wie ich am Ende des Tages zufrieden feststelle. Denn ich habe am Samstag im wahrsten Sinne des Wortes größtenteils Neuland betreten.

Veranstaltung des Museumsvereins Celle

Aber der Reihe nach. Als ich am Parkplatz am Ahnsbecker Weg (zu erreichen über die Kreisstraße nach Lachtehausen; von Altencelle aus gesehen die Abzweigung gleich hinter Osterloh) ankomme, stehen dort schon ein paar Wanderer. Der Museumsverein Celle hat diese Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Bauernhaus und der Fördergemeinschaft Historisches Altencelle angeboten. Natur und Geschichte erleben, so wurde diese Tour auf dem neu ausgeschilderten Rundwanderweg C1 im Vorfeld beschrieben – beides kam nicht zu kurz.

Osterbruchkanal um 1900 errichtet

Meine knapp 20 Mitstreiter und ich begrüßen uns mit einem teilweise etwas müden Lächeln – was ausschließlich dem Wetter geschuldet ist. Die Temperatur hingegen ist zum Wandern optimal und so ziehen wir frohen Mutes los. Schließlich sind wir ja alle neugierig, was uns erwartet. Wir betreten den Wald und folgen zunächst ein ganzes Stück dem Osterbruchkanal. Er wurde um 1900 errichtet, um eine Verbindung zu den umliegenden Ländereien herzustellen und um den "Osterbruch" landwirtschaftlich nutzbar zu machen.

Informationen über 1000-jährige Geschichte Celles

Zahlreiche Tafeln entlang des C1 geben dem Wanderer Auskunft über die rund 1000-jährige Geschichte Altencelles und seiner Umgebung. Wir hingegen haben fachkundige Referenten dabei, die uns an einigen ausgewählten Punkten mit Informationen versorgen. Dank neu aufgestellter Bänke bietet der gut ausgeschilderte Weg genug Sitzgelegenheiten. Zum Verschnaufen haben wir allerdings nur wenig Zeit. In sechs Stunden wollen wir zurück am Ausgangspunkt sein.

Osterloher Alpen werden ihrem Namen gerecht

Kurz vor Osterloh verlassen wir den C1 für eine Weile. "Der andere Weg ist schöner", weiß unser Wanderführer Dietrich Klages zu berichten – und er hat nicht zu viel versprochen. Wir machen einen Abstecher zu den Osterloher Alpen. Tatsächlich wird die Landschaft immer hügeliger. Von diesem Relikt der letzten Eiszeit aus lässt es sich, wenn denn mal Schnee fällt, im Winter optimal rodeln und im Sommer zwischen den von Moos umgebenen Bäumen picknicken. Wanderern gibt der sandige Boden ein angenehmes Gefühl unter den Schuhsohlen.

Renaturierung gibt seltenen Tieren und Pflanzen ein Zuhause

Unterhalb liegt ein alter Arm der Aller. Seit 2007 wurde diese Fläche von der Stadt Celle und dem Naturschutzbund renaturiert, um die Lebensbedingungen für die Tiere und Pflanzen in der Flussniederung zu verbessern. So ist es hier gelungen, die vom Aussterben bedrohte Rotbauchunke wieder anzusiedeln. Auch das Leinkraut ist hier zu finden.

Pilgern und übernachten in Osterloh

Wir wandern am Fuß der "Alpen" weiter und stoßen wieder auf den C1. In Osterloh ist Dietrich Klages zu Hause. Er hat in Eigenleistung ein altes Zweiständerhaus von 1564 in Oppershausen ab- und in Osterloh wieder aufgebaut. Es dient nun als Gäste- und Ferienhaus – und als Pilgerherberge. Schließlich liegt Osterloh an gleich drei Pilgerwegen: dem Jakobsweg, der Via Romea und der Via Scandinavica.

Strecke am Allerwehr beliebt auch bei Radfahrern

Am Osterloher Wehr überqueren wir die Aller und verlassen damit das Celler Stadtgebiet in Richtung Bockelskamp. Eine nicht nur bei Wanderern, sondern auch bei Radfahrern beliebte Strecke. Kein Wunder also, dass die Grillhütte kurz vor dem Dorf schon belegt ist. Macht nichts, wir finden trotzdem Platz für eine kurze, aber wohltuende Mittagspause.

Abstecher zu Celles ältester Kirche

Entlang der alten Allertal-Bahnstrecke, die 1993 endgültig für den Verkehr stillgelegt wurde, geht es Richtung Altencelle. Nun tun langsam die Füße weh. Aber wir sind ja auch schon auf der Zielgeraden. Vorbei an kleinen Heideflächen, erreichen wir wieder das Celler Stadtgebiet. Wir werfen einen Blick auf die Nienburg (die übrigens nie eine Burg war) und steuern durch den alten Ortskern zu auf die Gertrudenkirche, Celles ältestes Gotteshaus. Von hier ist es höchstens noch einen Kilometer bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Nach sechs Stunden, 15 Kilometern und – je nach Beinlänge – etwa 22.000 Schritten erreichen wir wieder den Parkplatz. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass die Sonne scheint ...?

Selbstverpflegung ist zu empfehlen

Fazit: Für 100.000 Euro, zum größten Teil mit Fördermitteln aus dem Leader-Programm finanziert, wurde der Rundwanderweg C1 aufgewertet. Das Geld wurde an der richtigen Stelle investiert, um Wanderern diese abwechslungsreiche Landschaft nahe zu bringen. Die Strecke erfordert eine normale bis gute Kondition, lohnt sich aber allemal. Neben gutem Schuhwerk ist Selbstverpflegung zu empfehlen. Gastronomie gibt es erst wieder in Altencelle – oder wenn man weiter wandert bis Wienhausen. Was ja auch immer einen Besuch wert ist ...

Übernachten: An der Oppershäuser Straße in Osterloh befindet sich das Gäste- und Ferienhaus "Alte Schmiede" von Familie Klages. Wer länger unterwegs und müde vom Wandern ist, kann in dem Zweiständerhaus eine Nacht verbringen.

Einkaufen: Gleich mehrere landwirtschaftliche Betriebe in Altencelle bieten ihre Produkte an, so auch "Hennings Kartoffeldiele" an der Alten Dorfstraße. Der Betrieb mitten im historischen Ortskern liegt in Sichtweite des C1-Wanderwegs. Denn wer weiß das nicht: Wandern macht schließlich hungrig.

Besuchen: Einen Abstecher zu Celles ältestem Gotteshaus sollte man nicht verpassen. Die Gertrudenkirche, um 1000 nach Christus errichtet, beeindruckt durch ihren prunkvollen Altar von 1509, das Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert und die Furtwängler-Orgel. Hier begann die Geschichte Celles. Der Name "Kellu" ("Bucht") wurde im Jahr 992 erstmals erwähnt.