Archologie

Tsellis-Forscher finden uralten Brunnen

Archologen haben auf der Suche nach der versunkenen Stadt "Tsellis" bei Altencelle einen dicken Fund gemacht.

  • Von Michael Ende
  • 19. März 2022 | 16:00 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 19. März 2022 | 16:00 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Celle.

Oft finden sie hchstens winzige Scherben oder gar nur dunkle Verfrbungen im Sand, doch jetzt haben sie einen echt dicken Brocken entdeckt: Archologen, die in Altencelle nahe der Gertrudenkirche auf den Spuren der um 1292 versunkenen Stadt "Tsellis" unterwegs sind , haben einen vermutlich rund 1000 Jahre alten Brunnen ausgegraben. Hat dessen Wasser schon Celles Stadtgrnder Herzog Otto der Strenge getrunken? Eine genaue Altersuntersuchung knnte hier Klarheit schaffen. Allerdings: Der Herzog htte seinerzeit bestimmt "veredeltes" Wasser getrunken: Im Mittelalter genoss man es hufig weiterverarbeitet als Bier, das durch seinen Alkoholgehalt, der geringer als in heutigen Bieren war, sicherer war als bloes Wasser, in dem sich Krankheitskeime tummelten.

ber den "Niemarkt" fhrt bald die Ostumgehung

"Da ist ein ganz toller ziemlich groer Fassbrunnen gefunden worden! Er hat bestimmt einen Meter Durchmesser und ist aus schweren groben Dielen gefertigt, sehr imposant", sagt die Bamberger Archologin Cornelia Lohwasser, die die "Tsellis"-Forschung in den vergangenen Jahren mageblich vorangetrieben hat. Schon lange war vermutet worden, dass der "Niemarkt" am zur Aller gelegenen Rand der Siedlungsflche von Celles Vorgnger-Stadt Relikte der Vergangenheit berge. Jetzt ist ein Team um den Archologen Andreas Elga, das hier im Vorfeld der Bauarbeiten fr die B3-Ostungehung grbt, fndig geworden.

Vergangenheit zum Anfassen

Der Altenceller Stefan Hoppenstedt hat sich das angesehen: Meine Frau Renate und ich waren am letzten Tag der Ausgrabungen an der Gertrudenkirche. Die Forscher waren gerade beim letzten Abschnitt auf der Pferdekoppel von Henning Bruns. Der Leiter hat uns die Schtze gezeigt, das was sie in den letzten zwei Wochen zu Tage gebracht haben. Es ist unglaublich: Tonscherben, die ber 1000 Jahre alt sind, in den Hnden halten zu knnen. Der Hhepunkt sei der Brunnen aus Eichenholz, der ber 1000 Jahre in nur 1,5 Meter Tiefe in der Erde geschlummert habe, so Hoppenstedt: Der Zustand ist Wahnsinn.

Wasser zum Brauen oder zum Gerben?

"Auf dem Gelnde, wo sich der Brunnen fand, gab es eine ganze Reihe von Brunnen", sagt Lohwasser: "Das ist eigentlich ungewhnlich und zeugt von hohem oder erhhtem Wasserbedarf vielleicht wurde dort ein wasserintensives Handwerk betrieben. Etwa Brauen oder Gerbern fllt mit da spontan ein. Andererseits ist es auch mglich, dass man es hier mit einem greren Zeitraum zu tun hat und die damaligen Bewohner sich ab und zu einen neuen Brunnen gegnnt haben, weil der alte versandet oder irgendwie beschdigt war."

hnliche Funde in Haithabu

Man htte damals auch einfach mit dem Eimer zum nahen Fluss gehen knnen aber es sei "schon auch sehr bequem" gewesen, ein nur ein bis zwei Meter tiefes Loch auszugraben und in dieses ein ausgedientes Fass hineinzustellen, in dem sich im nu Grundwasser sammelte, so Lohwasser: "Einen solchen Brunnen nennt man Fassbrunnen. Es gibt etliche Vergleiche fr Fassbrunnen etwa in Haithabu oder in Lbeck. Natrlich konnten die gegrabenen Lcher auch anderweitig mit Holz ausgekleidet werden, etwa in einer Art Blockbautechnik, wo kurze Dielen im Karree bereinandergestapelt wurden."

Urzeit, Vorzeit, Mittelalter in Altencelle

Vor rund einem Jahr hatte das Grabungsteam auf einem Acker vor den Toren von "Tsellis", rund 500 Meter stlich der Gertrudenkirche, Spuren eines Weilers aus der Bronzezeit (1800900 vor unserer Zeitrechnung) entdeckt. Urzeit, Vorzeit, Mittelalter in Altencelle ist alles vorhanden. 2021 hatte Elga den Grundriss eines Hauses gefunden, das Menschen im Mittelalter am lngst verschwundenen "Steinweg" gebaut hatten, einer ehemaligen Strae, an der Archologinnen und Archologen schon vor Jahren eine mittelalterliche Huserzeile entdeckt hatten.

Warten auf dendrochronologische Untersuchung

Der Fassbrunnen wurde jetzt erst einmal zu Gnter Wenzel gebracht. Der Vorsitzende der Frdergemeinschaft Historisches Altencelle will den Holzbrunnen erhalten. Was aber keine ganz billige Angelegenheit ist, da das Fass in einem groen Behlter mit Chemikalien sechs Monate lagern muss andernfalls wrde das aus dem konservierenden feuchten Erdboden entnommene Holz an der Luft zerfallen. Wenzel hofft, dass er nicht auf den Kosten sitzen bleibt. Vor allem wollen er und auch Cornelia Lohwasser wissen, wie der Fund zeitlich einzuordnen ist: "Hier wre eine dendrochronologische Untersuchung wichtig." berraschungen sind hier nicht ausgeschlossen. In "Tsellis" haben Archologen schon bearbeitete Hlzer gefunden, deren Dendrodatum auf etwa 20 vor Christus beziffert wurde.