Tsellis-Archologie

Jahrtausende alte Wurzeln von Celle entdeckt

Geschichte unterm Acker: Archologen, die die Vorgngerstadt von Celle erforschen, haben auf der zuknftigen B3-Trasse Relikte der Vergangenheit gefunden.

  • Von Michael Ende
  • 15. Nov. 2021 | 18:00 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 15. Nov. 2021 | 18:00 Uhr
  • 10. Juni 2022
Anzeige
Altencelle.

Kein Zweifel: Dort, wo Archologen jetzt auf der Trasse der zuknftigen B3 bei Altencelle graben, hat schon mal jemand gegraben. "Der Bodenschnitt hier zeigt ganz deutlich, dass hier frher ein Graben war die Frage ist jetzt, von wo nach wo er verlief und welche Funktion er hatte", sagt Bezirksarchologe Mario Pahlow vom Landesamt fr Denkmalpflege und betrachtet die sich dunkel abzeichnende, v-frmige Anomalitt im frisch ausgehobenen Bodenprofil. Pahlow und seine Kollegen suchen hier "Tsellis", die Vorgngerstadt des heutigen Celles, die vermutlich durch eine Brandkatastrophe um das Jahr 1292 unterging und im Dunkel der Geschichte versank. Eines ist jetzt schon klar: Die Wurzeln der Siedlung sind Jahrtausende alt.

Weiler aus der Bronzezeit

Vor einem Jahr hatte das Grabungsteam um den Archologen Andreas Elga auf einem Acker vor den Toren von Tsellis, rund 500 Meter stlich der Altenceller Gertrudenkirche, Spuren eines Weilers aus der Bronzezeit (1800900 vor unserer Zeitrechnung) entdeckt. Auch in dieser Saison ist Elga immer wieder fndig geworden: "Urzeit, Vorzeit, Mittelalter alles da." In diesem Sommer hat Elga den Grundriss eines Hauses gefunden, das Menschen im Mittelalter am lngst verschwundenen "Steinweg" gebaut hatten, einer ehemaligen Strae, an der Archologen schon vor Jahren eine mittelalterliche Huserzeile entdeckt hatten .

Riesenhaus entdeckt

Jetzt blickt Pahlow auf mehrere lange Reihen gelber Plastik-Spiechen, mit denen das Grabungsteam dunkle Flecken markiert hat, die sich auf dem vom Oberboden befreiten hellen Sand abzeichnen. Der Wissenschaftler erkennt sofort ein Muster: "Hierbei drfte es sich um um die Relikte eines Hauses handeln. Was wir sehen, sind wahrscheinlich die Reste von Pfostensetzungen. Das organische Material hinterlsst einen dunklen Abdruck im Sand." Die Pfostenreihe geht weit ber die Ausmae eines heutigen Einfamilienhauses hinaus. "Damals waren kombinierte Wohn- und Wirtschaftsgebude bis zu 50 Meter lang, erlutert Pahlow: "Menschen und das Vieh wohnten unter einem Dach." Und das Ganze einen halben Kilometer von der Kirche entfernt? War die Siedlung denn so gro? Das knne man jetzt noch nicht sagen, meint der Forscher: "Es knnte auch sein, dass das Haus etwas abseits stand, weil dort etwas gemacht wurde, was direkte Nachbarn gestrt oder gefhrdet htte etwa eine Gerberei oder eine Schmiede."

Freies Feld fr Forscher

Das besondere an der Stadtwstung Tsellis sei, dass sie nicht komplett mit einer modernen Siedlung berbaut sei, sagt Pahlow. "Wenn man zum Beispiel in Hannover nach den Ursprngen der Stadt suchen will, dann muss man richtig Glck haben, wenn das mal punktuell an einer Stelle mglich ist. Hier in Altencelle knnen wir auf einer freien Flche die Firmierung einer groen Stadt suchen das ist fast einzigartig." Mglich sei das hier, weil die Ostumgehung gebaut werde: "Im Vorfeld des Straenbaus untersuchen wir die Trasse."

Beispiel Bardowick

hnlich wie in Altencelle verhalte es sich mit der mittelalterlichen Stadtwstung Bardowick nrdlich von Lneburg, sagt der Archologe, der auch dort forscht. Bardowick war ein Handelszentrum im frhen Mittelalter, das weitaus bekannteren Pltzen wie Haithabu gleichrangig zur Seite gestellt werden kann und dessen Entwicklung mageblichen Einfluss auf die spteren Hansestdte Lbeck, Hamburg und Lneburg hatte. Anders als bei Tsellis, das vermutlich abgebrannt ist oder wurde , wisse man bei Bardowick genau, warum es untergegangen sei, sagt Pahlow: " Nachdem Bardowick Heinrich dem Lwen 1182 die Aufnahme verweigerte, zerstrte er es nach erfolgreicher Belagerung 1189 ."

Hafen wre ein Kracher

Und Tsellis? Dessen Schicksal werde man noch so weit wie mglich rekonstruieren, hofft Pahlow und blickt ber den ehemaligen "Niemarkt" Richtung Aller: "Wenn wir hier einen alten Hafen finden sollten das wre der Kracher."